 bei seiner heftigen Begierde zum Erwerb eine lebhafte
Freude über den schönen Besitz, der ihm oder vielmehr seinem Freunde werden
sollte. Lotario von seiner Seite schien ganz andere Betrachtungen zu machen.
»Ich kann mich nicht sowohl über einen Besitz freuen«, sagte er, »als über die
Rechtmässigkeit desselben.«
    »Nun, beim Himmel!« rief Werner, »wird denn dieser unser Besitz nicht
rechtmäßig genug?«
    »Nicht ganz!« versetzte Lotario.
    »Geben wir denn nicht unser bares Geld dafür?«
    »Recht gut!« sagte Lotario; »auch werden Sie dasjenige, was ich zu erinnern
habe, vielleicht für einen leeren Skrupel halten. Mir kommt kein Besitz ganz
rechtmäßig, ganz rein vor, als der dem Staate seinen schuldigen Teil abträgt.«
    »Wie?« sagte Werner, »so wollten Sie also lieber, dass unsere frei gekauften
Güter steuerbar wären?«
    »Ja«, versetzte Lotario, »bis auf einen gewissen Grad; denn durch diese
Gleichheit mit allen übrigen Besitzungen entsteht ganz allein die Sicherheit des
Besitzes. Was hat der Bauer in den neueren Zeiten, wo so viele Begriffe
schwankend werden, für einen Hauptanlass, den Besitz des Edelmanns für weniger
gegründet anzusehen als den seinigen? Nur den, dass jener nicht belastet ist und
auf ihn lastet.«
    »Wie wird es aber mit den Zinsen unseres Kapitals aussehen?« versetzte
Werner.
    »Um nichts schlimmer«, sagte Lotario, »wenn uns der Staat gegen eine
billige regelmäßige Abgabe das Lehns-Hokuspokus erlassen und uns mit unsern
Gütern nach Belieben zu schalten erlauben wollte, dass wir sie nicht in so großen
Massen zusammenhalten müssten, dass wir sie unter unsere Kinder gleicher verteilen
könnten, um alle in eine lebhafte freie Tätigkeit zu versetzen, statt ihnen nur
die beschränkten und beschränkenden Vorrechte zu hinterlassen, welche zu
genießen wir immer die Geister unserer Vorfahren hervorrufen müssen. Wieviel
glücklicher wären Männer und Frauen, wenn sie mit freien Augen umhersehen und
bald ein würdiges Mädchen, bald einen trefflichen Jüngling ohne andere
Rücksichten durch ihre Wahl erheben könnten. Der Staat würde mehr, vielleicht
bessere Bürger haben und nicht so oft um Köpfe und Hände verlegen sein.«
    »Ich kann Sie versichern«, sagte Werner, »dass ich in meinem Leben nie an den
Staat gedacht habe; meine Abgaben, Zölle und Geleite habe ich nur so bezahlt,
weil es einmal hergebracht ist.«
    »Nun«, sagte Lotario, »ich hoffe Sie noch zum guten Patrioten zu machen;
denn wie der nur ein guter Vater ist, der bei Tische erst seinen Kindern
vorlegt, so ist der nur ein guter Bürger, der vor allen andern Ausgaben das, was
er dem Staate zu
