 jederzeit gewiss sein könne.
    Theresens Mutter hatte bald die Angelegenheit ihres Vermögens in Unordnung
gebracht; ihre Tochter musste es entgelten, denn sie erhielt wenig von ihr; die
alte Dame, Theresens Beschützerin, starb, hinterließ ihr das kleine Freigut und
ein artiges Kapital zum Vermächtnis. Terese wusste sich sogleich in den engen
Kreis zu finden, Lotario bot ihr ein besseres Besitztum an, Jarno machte den
Unterhändler: sie schlug es aus. »Ich will«, sagte sie, »im kleinen zeigen, dass
ich wert war, das Große mit ihm zu teilen aber das behalte ich mir vor, dass,
wenn der Zufall mich um meiner oder anderer willen in Verlegenheit setzt, ich
zuerst zu meinem werten Freund ohne Bedenken die Zuflucht nehmen könne.«
    Nichts bleibt weniger verborgen und ungenutzt als zweckmässige Tätigkeit.
Kaum hatte sie sich auf ihrem kleinen Gute eingerichtet, so suchten die Nachbarn
schon ihre nähere Bekanntschaft und ihren Rat, und der neue Besitzer der
angrenzenden Güter gab nicht undeutlich zu verstehen, dass es nur auf sie
ankomme, ob sie seine Hand annehmen und Erbe des größten Teils seines Vermögens
werden wolle. Sie hatte schon gegen Wilhelmen dieses Verhältnisses erwähnt und
scherzte gelegentlich über Heiraten und Missheiraten mit ihm.
    »Es gibt«, sagte sie, »den Menschen nichts mehr zu reden, als wenn einmal
eine Heirat geschieht, die sie nach ihrer Art eine Missheirat nennen können. Und
doch sind die Missheiraten viel gewöhnlicher als die Heiraten; denn es sieht
leider nach einer kurzen Zeit mit den meisten Verbindungen gar misslich aus. Die
Vermischung der Stände durch Heiraten verdienen nur insofern Missheiraten genannt
zu werden, als der eine Teil an der angeborenen, angewohnten und gleichsam
notwendig gewordenen Existenz des andern keinen Teil nehmen kann. Die
verschiedenen Klassen haben verschiedene Lebensweisen, die sie nicht miteinander
teilen noch verwechseln können, und das ist's, warum Verbindungen dieser Art
besser nicht geschlossen werden; aber Ausnahmen und recht glückliche Ausnahmen
sind möglich. So ist die Heirat eines jungen Mädchens mit einem bejahrten Manne
immer misslich, und doch habe ich sie recht gut ausschlagen sehen. Für mich kenne
ich nur eine Missheirat, wenn ich feiern und repräsentieren müsste; ich wollte
lieber jedem ehrbaren Pächterssohn aus der Nachbarschaft meine Hand geben.«
    Wilhelm gedachte nunmehr zurückzukehren und bat seine neue Freundin, ihm
noch ein Abschiedswort bei Lydien zu verschaffen. Das leidenschaftliche Mädchen
ließ sich bewegen, er sagte ihr einige freundliche Worte, sie versetzte: »Den
ersten Schmerz hab' ich überwunden, Lotario wird mir ewig teuer sein; aber
seine Freunde kenne ich, es ist mir leid, dass er so umgeben ist. Der Abbé wäre
fähig, wegen einer Grille die Menschen in Not zu lassen, oder sie gar
