 ist
unsinnig in das Mädchen verliebt und hat wahrscheinlich seinen Verwandten so
viel Geld abgelockt, dass er wieder eine Zeitlang mit ihr leben kann.«
    Durch diese Einwendungen ward Wilhelm nicht überzeugt, doch zweifelhaft.
Laertes stellte ihm vor, wie unwahrscheinlich das Märchen sei, das Philine ihnen
vorgespiegelt hatte, wie Figur und Haar sehr gut auf Friedrichen passe, wie sie
bei zwölf Stunden Vorsprung so leicht nicht einzuholen sein würden, und
hauptsächlich, wie Serlo keinen von ihnen beiden beim Schauspiele entbehren
könne.
    Durch all diese Gründe wurde Wilhelm endlich nur so weit gebracht, dass er
Verzicht darauf tat, selbst nachzusetzen. Laertes wusste noch in selbiger Nacht
einen tüchtigen Mann zu schaffen, dem man den Auftrag geben konnte. Es war ein
gesetzter Mann, der mehreren Herrschaften auf Reisen als Kurier und Führer
gedient hatte und eben jetzt ohne Beschäftigung stille lag. Man gab ihm Geld,
man unterrichtete ihn von der ganzen Sache, mit dem Auftrage, dass er die
Flüchtlinge aufsuchen und einholen, sie alsdann nicht aus den Augen lassen und
die Freunde sogleich, wo und wie er sie fände, benachrichtigen solle. Er setzte
sich in derselbigen Stunde zu Pferde und ritt dem zweideutigen Paare nach, und
Wilhelm war durch diese Anstalt wenigstens einigermaßen beruhigt.
 
                              Sechzehntes Kapitel
Die Entfernung Philinens machte keine auffallende Sensation weder auf dem
Theater noch im Publiko. Es war ihr mit allem wenig Ernst; die Frauen hassten sie
durchgängig, und die Männer hätten sie lieber unter vier Augen als auf dem
Theater gesehen, und so war ihr schönes und für die Bühne selbst glückliches
Talent verloren. Die übrigen Glieder der Gesellschaft gaben sich desto mehr
Mühe; Madame Melina besonders tat sich durch Fleiß und Aufmerksamkeit sehr
hervor. Sie merkte wie sonst Wilhelmen seine Grundsätze ab, richtete sich nach
seiner Theorie und seinem Beispiel und hatte zeiter ein ich weiß nicht was in
ihrem Wesen, das sie interessanter machte. Sie erlangte bald ein richtiges Spiel
und gewann den natürlichen Ton der Unterhaltung vollkommen und den der
Empfindung bis auf einen gewissen Grad. Sie wusste sich in Serlos Launen zu
schicken und befliss sich des Singens ihm zu Gefallen, worin sie auch bald so
weit kam, als man dessen zur geselligen Unterhaltung bedarf.
    Durch einige neu angenommene Schauspieler ward die Gesellschaft noch
vollständiger, und indem Wilhelm und Serlo jeder in seiner Art wirkte, jener bei
jedem Stücke auf den Sinn und Ton des Ganzen drang, dieser die einzelnen Teile
gewissenhaft durcharbeitete, belebte ein lobenswürdiger Eifer auch die
Schauspieler, und das Publikum nahm an ihnen einen lebhaften Anteil.
    »Wir sind auf einem guten Wege«, sagte Serlo einst, »und wenn wir so
fortfahren, wird das Publikum auch bald auf dem rechten sein. Man kann die
Menschen sehr leicht durch
