 eigensinnig
ist.«
    Der Kassier kam und überreichte ihm eine schwere Kasse. »Wir haben gut
debütiert«, rief er aus, »und das Vorurteil wird uns zustatten kommen. Wo ist
denn nun das versprochene Abendessen? Wir dürfen es uns heute schmecken lassen.«
    Sie hatten ausgemacht, dass sie in ihren Teaterkleidern beisammen bleiben
und sich selbst ein Fest feiern wollten. Wilhelm hatte unternommen, das Lokal,
und Madame Melina, das Essen zu besorgen.
    Ein Zimmer, worin man sonst zu malen pflegte, war aufs beste gesäubert, mit
allerlei Dekorationen umstellt und so herausgeputzt worden, dass es halb einem
Garten, halb einem Säulengange ähnlich sah. Beim Hereintreten wurde die
Gesellschaft von dem Glanz vieler Lichter geblendet, die einen feierlichen
Schein durch den Dampf des süßesten Räucherwerks, das man nicht gespart hatte,
über eine wohlgeschmückte und bestellte Tafel verbreiteten. Mit Ausrufungen
lobte man die Anstalten und nahm wirklich mit Anstand Platz; es schien, als wenn
eine königliche Familie im Geisterreiche zusammenkäme. Wilhelm saß zwischen
Aurelien und Madame Melina, Serlo zwischen Philinen und Elmiren; niemand war mit
sich selbst noch mit seinem Platz unzufrieden.
    Die beiden Teaterfreunde, die sich gleichfalls eingefunden hatten,
vermehrten das Glück der Gesellschaft. Sie waren einigemal während der
Vorstellung auf die Bühne gekommen und konnten nicht genug von ihrer eignen und
von des Publikums Zufriedenheit sprechen; nunmehr ging's aber ans Besondere;
jedes ward für seinen Teil reichlich belohnt.
    Mit einer unglaublichen Lebhaftigkeit ward ein Verdienst nach dem andern,
eine Stelle nach der andern herausgehoben. Dem Souffleur, der bescheiden am Ende
der Tafel saß, ward ein großes Lob über seinen rauen Pyrrhus; die Fechtübung
Hamlets und Laertes' konnte man nicht genug erheben; Opheliens Trauer war über
allen Ausdruck schön und erhaben; von Polonius' Spiel durfte man gar nicht
sprechen; jeder Gegenwärtige hörte sein Lob in dem andern und durch ihn.
    Aber auch der abwesende Geist nahm seinen Teil Lob und Bewunderung hinweg.
Er hatte die Rolle mit einem sehr glücklichen Organ und in einem großen Sinne
gesprochen, und man wunderte sich am meisten, dass er von allem, was bei der
Gesellschaft vorgegangen war, unterrichtet schien. Er glich völlig dem gemalten
Bilde, als wenn er dem Künstler gestanden hätte, und die Teaterfreunde konnten
nicht genug rühmen, wie schauerlich er ausgesehen habe, als er unfern von dem
Gemälde hervorgetreten und vor seinem Ebenbilde vorbeigeschritten sei. Wahrheit
und Irrtum habe sich dabei so sonderbar vermischt, und man habe wirklich sich
überzeugt, dass die Königin die eine Gestalt nicht sehe. Madame Melina ward bei
dieser Gelegenheit sehr gelobt, dass sie bei dieser Stelle in die Höhe nach dem
Bilde gestarrt, indes Hamlet nieder auf den Geist gewiesen.
    Man erkundigte sich
