 natürlich, heimlich oder zärtlich zu sprechen habe.
    Unsre Teaterfreunde, die eine unsägliche Geduld hatten, suchten auf alle
Weise diese Verwirrung zu lösen, diesem Eigensinne beizukommen. Sie sparten
weder Gründe noch Schmeicheleien und erreichten zuletzt doch ihren Endzweck,
wobei ihnen das gute Beispiel Wilhelms besonders zustatten kam. Er bat sich aus,
dass sie sich bei den Proben in die entferntesten Ecken setzten und, sobald sie
ihn nicht vollkommen verstünden, mit dem Schlüssel auf die Bank pochen möchten.
Er artikulierte gut, sprach gemässigt aus, steigerte den Ton stufenweise und
überschrie sich nicht in den heftigsten Stellen. Die pochenden Schlüssel hörte
man bei jeder Probe weniger; nach und nach ließ sich die andern dieselbe
Operation gefallen, und man konnte hoffen, dass das Stück endlich in allen
Winkeln des Hauses von jedermann würde verstanden werden.
    Man sieht aus diesem Beispiel, wie gern die Menschen ihren Zweck nur auf
eigene Weise erreichen möchten, wieviel Not man hat, ihnen begreiflich zu
machen, was sich eigentlich von selbst versteht, und wie schwer es ist,
denjenigen, der etwas zu leisten wünscht, zur Erkenntnis der ersten Bedingungen
zu bringen, unter denen sein Vorhaben allein möglich wird.
 
                                Neuntes Kapitel
Man fuhr nun fort, die nötigen Anstalten zu Dekorationen und Kleidern, und was
sonst erforderlich war, zu machen. Über einige Szenen und Stellen hatte Wilhelm
besondere Grillen, denen Serlo nachgab, teils in Rücksicht auf den Kontrakt,
teils aus Überzeugung, und weil er hoffte, Wilhelmen durch diese Gefälligkeit zu
gewinnen und in der Folge desto mehr nach seinen Absichten zu lenken.
    So sollte zum Beispiel König und Königin bei der ersten Audienz auf dem
Throne sitzend erscheinen, die Hofleute an den Seiten und Hamlet unbedeutend
unter ihnen stehen. »Hamlet«, sagte er, »muss sich ruhig verhalten; seine
schwarze Kleidung unterscheidet ihn schon genug. Er muss sich eher verbergen als
zum Vorschein kommen. Nur dann, wenn die Audienz geendigt ist, wenn der König
mit ihm als Sohn spricht, dann mag er herbeitreten und die Szene ihren Gang
gehen.«
    Noch eine Hauptschwierigkeit machten die beiden Gemälde, auf die sich Hamlet
in der Szene mit seiner Mutter so heftig bezieht. »Mir sollen«, sagte Wilhelm,
»in Lebensgröße beide im Grunde des Zimmers neben der Haupttüre sichtbar sein,
und zwar muss der alte König in völliger Rüstung, wie der Geist, auf eben der
Seite hängen, wo dieser hervortritt. Ich wünsche, dass die Figur mit der rechten
Hand eine befehlende Stellung annehme, etwas gewandt sei und gleichsam über die
Schulter sehe, damit sie dem Geiste völlig gleiche in dem Augenblicke, da dieser
zur Türe hinausgeht. Es wird eine sehr große Wirkung tun, wenn in diesem
Augenblick Hamlet
