
untersetzter, muntrer, neuangekommener Jüngling erhielt die Rolle des Horatio;
nur wegen des Königs und des Geistes war man in einiger Verlegenheit. Für beide
Rollen war nur der alte Polterer da. Serlo schlug den Pedanten zum Könige vor,
wogegen Wilhelm aber aufs äußerste protestierte. Man konnte sich nicht
entschließen.
    Ferner hatte Wilhelm in seinem Stücke die beiden Rollen von Rosenkranz und
Güldenstern stehen lassen. »Warum haben Sie diese nicht in eine verbunden?«
fragte Serlo; »diese Abbreviatur ist doch so leicht gemacht.«
    »Gott bewahre mich vor solchen Verkürzungen, die zugleich Sinn und Wirkung
aufheben!« versetzte Wilhelm. »Das, was diese beiden Menschen sind und tun, kann
nicht durch einen vorgestellt werden. In solchen Kleinigkeiten zeigt sich
Shakespeares Größe. Dieses leise Auftreten, dieses Schmiegen und Biegen, dies
Jasagen, Streicheln und Schmeicheln, diese Behendigkeit, dies Schwänzeln, diese
Allheit und Leerheit, diese rechtliche Schurkerei, diese Unfähigkeit, wie kann
sie durch einen Menschen ausgedruckt werden? Es sollten ihrer wenigstens ein
Dutzend sein, wenn man sie haben könnte; denn sie sind bloß in Gesellschaft
etwas, sie sind die Gesellschaft, und Shakespeare war sehr bescheiden und weise,
dass er nur zwei solche Repräsentanten auftreten ließ. Überdies brauche ich sie
in meiner Bearbeitung als ein Paar, das mit dem einen, guten, trefflichen
Horatio kontrastiert.«
    »Ich verstehe Sie«, sagte Serlo, »und wir können uns helfen. Den einen geben
wir Elmiren (so nannte man die älteste Tochter des Polterers); es kann nicht
schaden, wenn sie gut aussehen, und ich will die Puppen putzen und dressieren,
dass es eine Lust sein soll.«
    Philine freute sich außerordentlich, dass sie die Herzogin in der kleinen
Komödie spielen sollte. »Das will ich so natürlich machen«, rief sie aus, »wie
man in der Geschwindigkeit einen Zweiten heiratet, nachdem man den Ersten ganz
außerordentlich geliebt hat. Ich hoffe, mir den größten Beifall zu erwerben, und
jeder Mann soll wünschen, der Dritte zu werden.«
    Aurelie machte ein verdriessliches Gesicht bei diesen Äußerungen; ihr
Widerwillen gegen Philinen nahm mit jedem Tage zu.
    »Es ist recht schade«, sagte Serlo, »dass wir kein Ballett haben; sonst
sollten Sie mir mit Ihrem ersten und zweiten Manne ein Pas de deux tanzen, und
der Alte sollte nach dem Takt einschlafen, und Ihre Füßchen und Wädchen würden
sich dort hinten auf dem Kinderteater ganz aller liebst ausnehmen.«
    »Von meinen Wädchen wissen Sie ja wohl nicht viel«, versetzte sie
schnippisch, »und was meine Füßchen betrifft«, rief sie, indem sie schnell unter
den Tisch reichte, ihre Pantöffelchen heraufholte und nebeneinander vor
