 scheinbaren Versöhnung mit Laertes wird nun feierlich
begangen, wobei man Ritterspiele hält und auch Hamlet und Laertes fechten. Ohne
die vier Leichen kann ich das Stück nicht schließen; es darf niemand
übrigbleiben. Hamlet gibt, da nun das Wahlrecht des Volks wieder eintritt, seine
Stimme sterbend dem Horatio.«
    »Nur geschwind«, versetzte Serlo, »setzen Sie sich hin und arbeiten das
Stück aus; die Idee hat völlig meinen Beifall; nur dass die Lust nicht
verraucht!«
 
                                Fünftes Kapitel
Wilhelm hatte sich schon lange mit einer Übersetzung Hamlets abgegeben; er hatte
sich dabei der geistvollen Wielandschen Arbeit bedient, durch die er überhaupt
Shakespearen zuerst kennen lernte. Was in derselben ausgelassen war, fügte er
hinzu, und so war er im Besitz eines vollständigen Exemplars in dem Augenblicke,
da er mit Serlo über die Behandlung so ziemlich einig geworden war. Er fing nun
an, nach seinem Plane auszuheben und einzuschieben, zu trennen und zu verbinden,
zu verändern und oft wiederherzustellen, denn so zufrieden er auch mit seiner
Idee war, so schien ihm doch bei der Ausführung immer, dass das Original nur
verdorben werde.
    Sobald er fertig war, las er es Serlo und der übrigen Gesellschaft vor. Sie
bezeugten sich sehr zufrieden damit; besonders machte Serlo manche günstige
Bemerkung.
    »Sie haben«, sagte er unter andern, »sehr richtig empfunden, dass äußere
Umstände dieses Stück begleiten, aber einfacher sein müssen, als sie uns der
große Dichter gegeben hat. Was außer dem Theater vorgeht, was der Zuschauer
nicht sieht, was er sich vorstellen muss, ist wie ein Hintergrund, vor dem die
spielenden Figuren sich bewegen. Die große, einfache Aussicht auf die Flotte und
Norwegen wird dem Stücke sehr gut tun; nähme man sie ganz weg, so ist es nur
eine Familienszene, und der große Begriff, dass hier ein ganzes königliches Haus
durch innere Verbrechen und Ungeschicklichkeiten zugrunde geht, wird nicht in
seiner ganzen Würde dargestellt. Bliebe aber jener Hintergrund selbst
mannigfaltig, beweglich, konfus, so täte er dem Eindrucke der Figuren Schaden.«
    Wilhelm nahm nun wieder die Partie Shakespeares und zeigte, dass er für
Insulaner geschrieben habe, für Engländer, die selbst im Hintergrunde nur
Schiffe und Seereisen, die Küste von Frankreich und Kaper zu sehen gewohnt sind,
und dass, was jenen etwas ganz Gewöhnliches sei, uns schon zerstreue und
verwirre.
    Serlo musste nachgeben, und beide stimmten darin überein, dass, da das Stück
nun einmal auf das deutsche Theater solle, dieser ernstere, einfachere
Hintergrund für unsre Vorstellungsart am besten passen werde.
    Die Rollen hatte man schon früher ausgeteilt; den Polonius übernahm Serlo,
Aurelie Ophelien; Laertes war durch seinen Namen schon bezeichnet; ein junger,
