 demselben wechselseitig durch allegorische Vorstellungen, was sie während der
übrigen Tage an sich und andern Närrisches bemerkt hatten. War diese Art gleich
roher als eine Folge von Ausbildung, in welcher der sittliche Mensch sich
täglich zu bemerken, zu warnen und zu strafen pflegt, so war sie doch lustiger
und sicherer; denn indem man einen gewissen Schossnarren nicht verleugnete, so
traktierte man ihn auch nur für das, was er war, anstatt dass er auf dem andern
Wege durch Hilfe des Selbstbetrugs oft im Hause zur Herrschaft gelangt und die
Vernunft zur heimlichen Knechtschaft zwingt, die sich einbildet, ihn lange
verjagt zu haben. Die Narrenmaske ging in der Gesellschaft herum, und jedem war
erlaubt, sie an seinem Tage mit eigenen oder fremden Attributen charakteristisch
auszuzieren. In der Karnevalszeit nahm man sich die größte Freiheit und
wetteiferte mit der Bemühung der Geistlichen, das Volk zu unterhalten und
anzuziehen. Die feierlichen und allegorischen Aufzüge von Tugenden und Lastern,
Künsten und Wissenschaften, Weltteilen und Jahrszeiten versinnlichten dem Volke
eine Menge Begriffe und gaben ihm Ideen entfernter Gegenstände, und so waren
diese Scherze nicht ohne Nutzen, da von einer andern Seite die geistlichen
Mummereien nur einen abgeschmackten Aberglauben noch mehr befestigten.
    Der junge Serlo war auch hier wieder ganz in seinem Elemente; eigentliche
Erfindungskraft hatte er nicht, dagegen aber das größte Geschick, was er vor
sich fand zu nutzen, zurechtzustellen und scheinbar zu machen. Seine Einfälle,
seine Nachahmungsgabe, ja sein beissender Witz, den er wenigstens einen Tag in
der Woche völlig frei, selbst gegen seine Wohltäter, üben durfte, machte ihn der
ganzen Gesellschaft wert, ja unentbehrlich.
    Doch trieb ihn seine Unruhe bald aus dieser vorteilhaften Lage in andere
Gegenden seines Vaterlandes, wo er wieder eine neue Schule durchzugehen hatte.
Er kam in den gebildeten, aber auch bildlosen Teil von Deutschland, wo es zur
Verehrung des Guten und Schönen zwar nicht an Wahrheit, aber oft an Geist
gebricht; er konnte mit seinen Masken nichts mehr ausrichten; er musste suchen,
auf Herz und Gemüt zu wirken. Nur kurze Zeit hielt er sich bei kleinen und
großen Gesellschaften auf und merkte bei dieser Gelegenheit sämtlichen Stücken
und Schauspielern ihre Eigenheiten ab. Die Monotonie, die damals auf dem
deutschen Theater herrschte, den albernen Fall und Klang der Alexandriner, den
geschraubt-platten Dialog, die Trockenheit und Gemeinheit der unmittelbaren
Sittenprediger hatte er bald gefasst und zugleich bemerkt, was rührte und gefiel.
    Nicht eine Rolle der gangbaren Stücke, sondern die ganzen Stücke blieben
leicht in seinem Gedächtnis und zugleich der eigentümliche Ton des
Schauspielers, der sie mit Beifall vorgetragen hatte. Nun kam er zufälligerweise
auf seinen Streifereien, da ihm das Geld völlig ausgegangen war, zu dem Einfall,
allein ganze Stücke besonders auf Edelhöfen und
