 und dabei eine große
Biegsamkeit sowohl in seiner Vorstellungsart als in Handlungen und Gebärden.
Seine Nachahmungsgabe überstieg allen Glauben. Schon als Knabe ahmte er Personen
nach, so dass man sie zu sehen glaubte, ob sie ihm schon an Gestalt, Alter und
Wesen völlig unähnlich und untereinander verschieden waren. dabei fehlte es ihm
nicht an der Gabe, sich in die Welt zu schicken, und sobald er sich einigermaßen
seiner Kräfte bewusst war, fand er nichts natürlicher, als seinem Vater zu
entfliehen, der, wie die Vernunft des Knaben zunahm und seine Geschicklichkeit
sich vermehrte, ihnen noch durch harte Begegnung nachzuhelfen für nötig fand.
    Wie glücklich fühlte sich der lose Knabe nun in der freien Welt, da ihm
seine Eulenspiegelspossen überall eine gute Aufnahme verschaften! Sein guter
Stern führte ihn zuerst in der Fastnachtszeit in ein Kloster, wo er, weil eben
der Pater, der die Umgänge zu besorgen und durch geistliche Maskeraden die
christliche Gemeinde zu ergötzen hatte, gestorben war, als ein hülfreicher
Schutzengel auftrat. Auch übernahm er sogleich die Rolle Gabriels in der
Verkündigung und missfiel dem hübschen Mädchen nicht, die als Maria seinen
obligeanten Gruß mit äusserlicher Demut und innerlichem Stolze sehr zierlich
aufnahm. Er spielte darauf sukzessive in den Mysterien die wichtigsten Rollen
und wusste sich nicht wenig, da er endlich gar als Heiland der Welt verspottet,
geschlagen und ans Kreuz geheftet wurde.
    Einige Kriegsknechte mochten bei dieser Gelegenheit ihre Rollen gar zu
natürlich spielen; daher er sie, um sich auf die schicklichste Weise an ihnen zu
rächen, bei Gelegenheit des Jüngsten Gerichts in die prächtigsten Kleider von
Kaisern und Königen steckte und ihnen in dem Augenblicke, da sie, mit ihren
Rollen sehr wohl zufrieden, auch in dem Himmel allen andern vorauszugehen den
Schritt nahmen, unvermutet in Teufelsgestalt begegnete und sie mit der
Ofengabel, zur herzlichsten Erbauung sämtlicher Zuschauer und Bettler, weidlich
durchdrosch und unbarmherzig zurück in die Grube stürzte, wo sie sich von einem
hervordringenden Feuer aufs übelste empfangen sahen.
    Er war klug genug, einzusehen, dass die gekrönten Häupter sein freches
Unternehmen nicht wohl vermerken und selbst vor seinem privilegierten
Ankläger-und Schergenamte keinen Respekt haben würden; er machte sich daher,
noch ehe das tausendjährige Reich anging, in aller Stille davon und ward in
einer benachbarten Stadt von einer Gesellschaft, die man damals »Kinder der
Freude« nannte, mit offenen Armen aufgenommen. Es waren verständige, geistreiche,
lebhafte Menschen, die wohleinsahn, dass die Summe unsrer Existenz, durch
Vernunft dividiert, niemals rein aufgehe, sondern dass immer ein wunderlicher
Bruch übrigbleibe. Diesen hinderlichen und, wenn er sich in die ganze Masse
verteilt, gefährlichen Bruch suchten sie zu bestimmten Zeiten vorsätzlich
loszuwerden. Sie waren einen Tag der Woche recht ausführlich Narren und straften
an
