 zeigte sich, nach seiner Gewohnheit, übrigens sehr karg. Dagegen
hatte Wilhelm die schönen Dukaten der Gräfin in der Tasche, auf deren fröhliche
Verwendung er das größte Recht zu haben glaubte, und sehr leicht vergaß er, dass
er sie in der stattlichen Bilanz, die er den Seinigen zuschickte, schon sehr
ruhmredig aufgeführt hatte.
    Sein Freund Shakespeare, den er mit großer Freude auch als seinen Paten
anerkannte, und sich nur um so lieber Wilhelm nennen ließ, hatte ihm einen
Prinzen bekannt gemacht, der sich unter geringer, ja sogar schlechter
Gesellschaft eine Zeitlang aufhält und, ungeachtet seiner edlen Natur, an der
Roheit, Unschicklichkeit und Albernheit solcher ganz sinnlichen Bursche sich
ergötzt. Höchst willkommen war ihm das Ideal, womit er seinen gegenwärtigen
Zustand vergleichen konnte, und der Selbstbetrug, wozu er eine fast
unüberwindliche Neigung spürte, ward ihm dadurch außerordentlich erleichtert.
    Er fing nun an, über seine Kleidung nachzudenken. Er fand, dass ein Westchen,
über das man im Notfall einen kurzen Mantel würfe, für einen Wanderer eine sehr
angemessene Tracht sei. Lange gestrickte Beinkleider und ein Paar Schnürstiefeln
schienen die wahre Tracht eines Fussgängers. Dann verschafte er sich eine schöne
seidene Schärpe, die er zuerst unter dem Vorwande, den Leib warm zu halten,
umband; dagegen befreite er seinen Hals von der Knechtschaft einer Binde und
ließ sich einige Streifen Nesseltuch ans Hemde heften, die aber etwas breit
gerieten und das völlige Ansehen eines antiken Kragens erhielten. Das schöne
seidene Halstuch, das gerettete Andenken Marianens, lag nur locker geknüpft unter
der nesseltuchnen Krause. Ein runder Hut mit einem bunten Bande und einer großen
Feder machte die Maskerade vollkommen.
    Die Frauen beteuerten, diese Tracht lasse ihm vorzüglich gut. Philine
stellte sich ganz bezaubert darüber und bat sich seine schönen Haare aus, die
er, um dem natürlichen Ideal nur desto näher zu kommen, unbarmherzig
abgeschnitten hatte. Sie empfahl sich dadurch nicht übel, und unser Freund, der
durch seine Freigebigkeit sich das Recht erworben hatte, auf Prinz Harrys Manier
mit den übrigen umzugehen, kam bald selbst in den Geschmack, einige tolle
Streiche anzugeben und zu befördern. Man focht, man tanzte, man erfand allerlei
Spiele, und in der Fröhlichkeit des Herzens genoss man des leidlichen Weins, den
man angetroffen hatte, in starkem Masse, und Philine lauerte in der Unordnung
dieser Lebensart dem spröden Helden auf, für den sein guter Genius Sorge tragen
möge.
    Eine vorzügliche Unterhaltung, mit der sich die Gesellschaft besonders
ergötzte, bestand in einem extemporierten Spiel, in welchem sie ihre bisherigen
Gönner und Wohltäter nachahmten und durchzogen. Einige unter ihnen hatten sich
sehr gut die Eigenheiten des äußern Anstandes verschiedner vornehmer Personen
gemerkt, und die Nachbildung derselben ward von der übrigen Gesellschaft mit
