 die Spröde zu
spielen und auf eine geschickte Weise sich in einem gewissen vornehmen Ansehen
zu üben. Kalt und fein, wie sie war, kannte sie in acht Tagen die Schwächen des
ganzen Hauses, dass, wenn sie absichtlich hätte verfahren können, sie gar leicht
ihr Glück würde gemacht haben. Allein auch hier bediente sie sich ihres Vorteils
nur, um sich zu belustigen, um sich einen guten Tag zu machen und impertinent zu
sein, wo sie merkte, dass es ohne Gefahr geschehen konnte.
    Die Rollen waren gelernt, eine Hauptprobe des Stücks ward befohlen, der Graf
wollte dabei sein, und seine Gemahlin fing an zu sorgen, wie er es aufnehmen
möchte. Die Baronesse berief Wilhelmen heimlich, und man zeigte, je näher die
Stunde herbeirückte, immer mehr Verlegenheit, denn es war doch eben ganz und gar
nichts von der Idee des Grafen übriggeblieben. Jarno, der eben hereintrat, wurde
in das Geheimnis gezogen. Es freute ihn herzlich, und er war geneigt, seine
guten Dienste den Damen anzubieten. »Es wäre gar schlimm«, sagte er, »gnädige
Frau, wenn Sie sich aus dieser Sache nicht allein heraushelfen wollten; doch auf
alle Fälle will ich im Hinterhalte liegen bleiben.« Die Baronesse erzählte
hierauf, wie sie bisher dem Grafen das ganze Stück, aber nur immer stellenweise
und ohne Ordnung erzählt habe, dass er also auf jedes Einzelne vorbereitet sei,
nur stehe er freilich in Gedanken, das Ganze werde mit seiner Idee
zusammentreffen. »Ich will mich«, sagte sie, »heute abend in der Probe zu ihm
setzen und ihn zu zerstreuen suchen. Den Konditor habe ich auch schon vorgehabt,
dass er ja die Dekorationen am Ende recht schön macht, dabei aber doch etwas
Geringes fehlen lässt.«
    »Ich wüsste einen Hof«, versetzte Jarno, »wo wir so tätige und kluge Freunde
brauchten, als Sie sind. Will es heute abend mit Ihren Künsten nicht mehr fort,
so winken Sie mir, und ich will den Grafen herausholen und ihn nicht eher wieder
hineinlassen, bis Minerva auftritt und von der Illumination bald Sukkurs zu
hoffen ist. Ich habe ihm schon seit einigen Tagen etwas zu eröffnen, das seinen
Vetter betrifft, und das ich noch immer aus Ursachen aufgeschoben habe. Es wird
ihm auch das eine Distraktion geben, und zwar nicht die angenehmste.«
    Einige Geschäfte hinderten den Grafen, beim Anfange der Probe zu sein, dann
unterhielt ihn die Baronesse. Jarnos Hilfe war gar nicht nötig. Denn indem der
Graf genug zurechtzuweisen, zu verbessern und anzuordnen hatte, vergaß er sich
ganz und gar darüber, und da Frau Melina zuletzt nach seinem Sinne sprach, und
die Illumination gut ausfiel, bezeigte er
