 dem Fürstenhute durchscheinend glänzen sollte. Der Graf habe ihm aufgegeben,
für die Versifikation und übrige Einrichtung dieses Stückes zu sorgen, und er
hoffe, dass ihm Wilhelm, dem es etwas Leichtes sei, hierin gerne beistehen werde.
    »Wie!« rief dieser verdrießlich aus, »haben wir nichts als Porträte,
verzogene Namen und allegorische Figuren, um einen Fürsten zu ehren, der nach
meiner Meinung ein ganz anderes Lob verdient? Wie kann es einem vernünftigen
Manne schmeicheln, sich in effigie aufgestellt und seinen Namen auf geöltem
Papiere schimmern zu sehen! Ich fürchte sehr, die Allegorien würden, besonders
bei unserer Garderobe, zu manchen Zweideutigkeiten und Spässen Anlass geben.
Wollen Sie das Stück machen oder machen lassen, so kann ich nichts dawider
haben, nur bitte ich, dass ich damit verschont bleibe.«
    Melina entschuldigte sich, es sei nur die ungefähre Angabe des Herrn Grafen,
der ihnen übrigens ganz überlasse, wie sie das Stück arrangieren wollten.
»Herzlich gerne«, versetzte Wilhelm, »trage ich etwas zum Vergnügen dieser
vortrefflichen Herrschaft bei, und meine Muse hat noch kein so angenehmes
Geschäfte gehabt, als zum Lob eines Fürsten, der so viel Verehrung verdient,
auch nur stammelnd sich hören zu lassen. Ich will der Sache nachdenken;
vielleicht gelingt es mir, unsre kleine Truppe so zu stellen, dass wir doch
wenigstens einigen Effekt machen.«
    Von diesem Augenblicke sann Wilhelm eifrig dem Auftrage nach. Ehe er
einschlief, hatte er alles schon ziemlich geordnet, und den andern Morgen bei
früher Zeit war der Plan fertig, die Szenen entworfen, ja schon einige der
vornehmsten Stellen und Gesänge in Verse und zu Papiere gebracht.
    Wilhelm eilte morgens gleich den Baron wegen gewisser Umstände zu sprechen
und legte ihm seinen Plan vor. Diesem gefiel er sehr wohl, doch bezeigte er
einige Verwunderung. Denn er hatte den Grafen gestern abend von einem ganz
andern Stücke sprechen hören, welches nach seiner Angabe in Verse gebracht
werden sollte.
    »Es ist mir nicht wahrscheinlich«, versetzte Wilhelm, »dass es die Absicht
des Herrn Grafen gewesen sei, gerade das Stück, so wie er es Melinan angegeben,
fertigen zu lassen; wenn ich nicht irre, so wollte er uns bloß durch einen
Fingerzeig auf den rechten Weg weisen. Der Liebhaber und Kenner zeigt dem
Künstler an, was er wünscht, und überlässt ihm alsdann die Sorge, das Werk
hervorzubringen.«
    »Mit nichten«, versetzte der Baron; »der Herr Graf verlässt sich darauf, dass
das Stück so und nicht anders, wie er es angegeben, aufgeführt werde. Das Ihrige
hat freilich eine entfernte Ähnlichkeit mit seiner Idee, und wenn wir es
durchsetzen und ihn von seinen ersten Gedanken abbringen wollen,
