 und war höchst beschäftigt, dass es nicht
unschicklich werden sollte. Der Graf, der öfters dazu kam, war sehr zufrieden
damit, zeigte, wie sie das, was sie wirklich taten, eigentlich machen sollten,
und ließ dabei ungemeine Kenntnisse jeder Kunst sehen.
    Nun fing das Probieren recht ernstlich an, wozu sie auch Raum und Musse genug
gehabt hätten, wenn sie nicht von den vielen anwesenden Fremden immer gestört
worden wären. Denn es kamen täglich neue Gäste an, und ein jeder wollte die
Gesellschaft in Augenschein nehmen.
 
                                Fünftes Kapitel
Der Baron hatte Wilhelmen einige Tage mit der Hoffnung hingehalten, dass er der
Gräfin noch besonders vorgestellt werden sollte. - »Ich habe«, sagte er, »dieser
vortrefflichen Dame so viel von Ihren geistreichen und empfindungsvollen Stücken
erzählt, dass sie nicht erwarten kann, Sie zu sprechen und sich eins und das
andere vorlesen zu lassen. Halten Sie sich ja gefasst, auf den ersten Wink
hinüberzukommen, denn bei dem nächsten ruhigen Morgen werden Sie gewiss gerufen
werden.« Er bezeichnete ihm darauf das Nachspiel, welches er zuerst vorlesen
sollte, wodurch er sich ganz besonders empfehlen würde. Die Dame bedaure gar
sehr, dass er zu einer solchen unruhigen Zeit eingetroffen sei und sich mit der
übrigen Gesellschaft in dem alten Schloss schlecht behelfen müsse. -
    Mit großer Sorgfalt nahm darauf Wilhelm das Stück vor, womit er seinen
Eintritt in die große Welt machen sollte. »Du hast«, sagte er, »bisher im
stillen für dich gearbeitet, nur von einzelnen Freunden Beifall erhalten; du
hast eine Zeitlang ganz an deinem Talente verzweifelt, und du musst immer noch in
Sorgen sein, ob du denn auch auf dem rechten Wege bist, und ob du so viel Talent
als Neigung zum Theater hast. Vor den Ohren solcher geübten Kenner, im
Kabinette, wo keine Illusion stattfindet, ist der Versuch weit gefährlicher als
anderwärts, und ich möchte doch auch nicht gerne zurückbleiben, diesen Genuss an
meine vorigen Freuden knüpfen und die Hoffnung auf die Zukunft erweitern.«
    Er nahm darauf einige Stücke durch, las sie mit der größten Aufmerksamkeit,
korrigierte hier und da, rezitierte sie sich laut vor, um auch in Sprache und
Ausdruck recht gewandt zu sein, und steckte dasjenige, welches er am meisten
geübt, womit er die größte Ehre einzulegen glaubte, in die Tasche, als er an
einem Morgen hinüber vor die Gräfin gefordert wurde.
    Der Baron hatte ihm versichert, sie würde allein mit einer guten Freundin
sein. Als er in das Zimmer trat, kam die Baronesse von C... ihm mit vieler
Freundlichkeit entgegen, freute sich, seine Bekanntschaft zu machen, und
präsentierte ihn der Gräfin, die sich eben frisieren ließ und ihn mit
