 bunt; dieser Kopf war ein kurzer pragmatischer
Auszug aus zehn andern Köpfen, die nämlich Haare, Zähne, Federn dazu
zusammenschossen.
    Sie war eine Antike von großer Schönheit, die aber nach den Verwüstungen der
Jahre und Menschen nicht mehr unbeschädigt zu haben war; sie musste also durch
geschickte Bildhauer mit neuen Gliedern - z.B. Busen, Zähnen - ergänzet werden.
    Auf den Wangen war die Legierung mit Rot, die tiefere Nachbarschaft wurde
mit Weiss2 legiert.
    Diejenigen Zähne, die den Menschen in die Reihe der grasfressenden Tiere
setzen, die Schneidezähne, waren um so mehr so weiß wie Elfenbein, weil sie
selber eines waren, und waren aus dem Munde eines grasfressenden Tieres; - ich
mag nun darunter einen Elefanten oder einen gemeinen Mann verstehen, der die
Zähne, die er als Ableger einem edleren Stamm einimpfet, selten in etwas anders
als Vegetabilien setzt: so ist doch so viel gewiss, dass kein andrer Nachsatz
dieses Periodens herpasset als der: sie hatte noch einmal so viel Zähne als
andre Christinnen, und zwei Goldfäden dazu, weil der Zahnarzt die einen allemal
im Hause und unter der Bürste hatte, während die andern die Dental-Buchstaben
aussprachen.
    Da man nach den neuesten Lehrbüchern die Trigonometrie und die Busen bloß in
ebene und sphärische einteilen kann, und da sie ganz die scheinbare Wahl vor
sich hatte: so zog ihr messkünstlicher Geist diejenigen Größen, die dem
Messkünstler die meiste Anstrengung und das meiste Vergnügen geben, vor - die
sphärischen.
    Der Anzug selber suchte, von den Schuhrosetten bis zu den Hutrosetten,
seinen Wert in der Form weit weniger als in der Materie und konnte mithin
weniger mit den Augen als auf Juwelier-Waagen geschätzet werden, weniger nach
Schönheitlinien als nach Karats - es blieb also zwischen ihr und ihrer
gesetzgebenden Puppe immer ein Unterschied; übrigens musste sie sich nach dieser
so gut wie jede andre tragen. Ich will nur ein Wort zu seiner Zeit über die
Puppen sagen.
                                       *
                            Das Wort über die Puppen
Diese Hölzer haben bekanntlich die gesetzgebende Macht über den schöneren Teil
der weiblichen Welt in Händen; denn sie sind die Legaten und Vizeköniginnen,
welche aus Paris von der im Putz regierenden Linie abgeschickt werden, damit sie
die weiblichen deutschen Kreise regieren - und diese hölzernen Plenipotentiare
senden wieder ihre Köpfe (Haubenköpfe) als missi regii weiter herunter, damit
diese die gemeinem Honoratiorinnen beherrschen. Können diese regierenden Häupter
von Holz nicht selber kommen: so schicken sie - wie lebende Fürsten im geheimen
Rate ihre Stelle durch ihr Porträt versehen lassen - ihre Gesetze und ihre
Bildnisse in Schmaussens Korpus aller Reichsabschiede der Mode, welches Korpus
wir alle unter dem Namen Modejournal in Händen haben. Bei solchen Umständen - da
ein Holz dem andern in die Hände arbeitet, aber
