 er seinen väterlichen Lehrer mit
Kiuberfragen, so wie weiland der Gast mit Mannsfragen, ängstigte. Da indes der
Ritter wenig oder gar nichts von dem Freimaurerorden wusste, weil zu dieser Frist
noch nicht so viele Lehrbücher über diesen, wenn man will, geheimen oder
verratenen und zerschmetterten Orden geschrieben waren, so gingen diese
unbeantworteten Fragen, die überhaupt mit verbissenem Schmerz viel ähnliches
haben, unserm Helden durch Mark und Bein. Schuldig gebliebene Antworten sind
bewährte Hausmittel, die fragende Jugend auf Irrwege zu führen, und streuten
auch hier Samen; ob zu künftigen Früchten oder zu künftigem Unkraut, wird die
Zeit lehren. - Für jetzt nahm der Junker - vielleicht aus Freimaurerhunger, den
die wenigen Brocken eher gereizt als gestillt hatten, vielleicht auch, weil der
zurückgesetzte Hofmeister insgeheim unsern Helden mit so manchem Zweifel
ausrüstete - Gelegenheit, den Johanniterrittern den Vorwurf aufzubürden: warum
sie seit so geraumer Zeit nicht entweder mit dem Schwerte des Geistes oder des
Leibes gesiegt, und die Türken, welche sich unterstanden, das Grab Mahomets zu
Medina dem Grabe Christi, und die Kaaba zu Mecca der santa casa zu Loretto
entgegenzustellen, entweder bekehrt oder zu Grabe gebracht hätten? Der Ritter,
welcher den leiblichen Eroberungen wohlbedächtig auswich, versicherte in
Hinsicht des geistlichen, bis dahin unerfochtenen Sieges, der auch jetzt noch im
weiten Felde sei, dass die fünf Brüder des reichen Mannes eher zu bekehren wären,
als Leute mit Bärten. Beweisen dies nicht die Juden sichtbarlich? Hierzu kommt,
fuhr er fort, dass die Beschneidung Juden und Türken so fühlbar an ihre Religion
erinnert, und dass die Unterdrückung des Geschlechtes der Eva dem christlichen
Glauben in Hinsicht der Türken, dieser bärtigen Ungläubigen, unübersteigliche
Hindernisse in den Weg legt.
    Unser Held merkte es dem ritterlichen Vater mit und ohne Assistenz des
Hofmeisters ab, dass er seinen Worten durch Ernst und Würde (ein Privilegium de
non appellando) das letzte Entscheidungsrecht beilegen und seinen Schülern das
Opium der Unfehlbarkeit bei seinen Erzählungen eingeben wollte.
    »Im eilften Jahrhundert,« fing sich eine Dämmerung an, »wünschten Kaufleute
aus der Stadt Amalfi im Königreich Neapolis, welche in Syrien Verkehr trieben
und bei dieser Gelegenheit die heiligen Örter in Jerusalem besuchten, hier eine
Kirche zu haben.« Die gnädige Frau sowohl, als unser Held fanden bei so
bewandten Umständen die Feuerahnenprobe des Ordens ungerecht, und beide
forderten Satisfaction vom Orden wegen dieser Strenge, und von der Familie wegen
der Firmelung, wenn sie gleich mit wohlriechendem Wasser an ihnen vollbracht
war. Indes konnten sie von wegen der Gestrengigkeit des Ritters nicht aufkommen;
vielmehr sahen sie sich in den Umständen, sich bloß mit Husten oder Protestiren
(welches der juristische Husten ist) zu behelfen. So sang der Judenbekehrer
Stephan Schulz (vulgo Sanftmut Sieget
