 Wonne! - Da Er und Sie zu sich selbst kamen,
dünkten sie sich beide schöner geworden zu sein. Sie hatte übernommen, eine Art
von Aufnahme zu halten; warum nur eine Art? Weil sie Sophie war. - Jetzt -
dahin, alles dahin! - Sie hatte ihn, und er sie! - Wahrlich, dieser Gedanke war
hinreichend, alle Receptionen zu schließen von der Zeit, da unser Ritter sich
zwischen zwei Stühle setzte, bis auf das Gespräch mit einem von den Toten im
Apostelorden. Wer diese ächte Sophie sei? Kurz und gut: die Tochter des
Gastvetters!
    Dem Knappen Michael ward die Rolle bei der Begleiterin schwerer, als bei der
Tochter des vornehmen Geistlichen; doch entging ihm auf den ersten Blick der
unendliche Unterschied nicht zwischen echter und unächter Begleiterin. - Ritter
und Knappe gestanden, dass ihre Ideale der Wahrheit und der Natur weichen müssten,
und wurden den Porträten ungetreu, die sie bis jetzt am Busen getragen hatten.
Wie es zuging, weiß ich nicht, doch fanden sich auch von der ächten Sophie und
ihrer ächten Begleiterin Aehnkeiten in diesen Idealporträten. - Es war rührend,
als Gastvetter und Ritter ihre Herzen ausschütteten. Der Gastvetter hatte keinen
Hehl, dass er in ihm schon bei seinem selbsteigenen Kreuzzuge gen Rosental
seinen Eidam gesehen hätte. Der Überfall, den Sophie in der dortigen Gegend
machte, sollte dies Paar sich näher bringen.
    Als der Gastvetter sich von der Neigung seiner Tochter zu ihm und der
seinigen zu ihr überzeugt hatte, war der letzte Wunsch seines Lebens erreicht.
Dies Band, dachte er, wirb mir das Glück einer Eutanasie (sanften Todes)
bereiten, wenn mein Stündlein kommt. Er hatte nur Eine Tochter. - Der Kavalier?
war ehemals ein Mündel des Gastvetters. Er sollte in Rosental das Wunderbare
bei dieser Sache verstärken. Wie gewachsen er seiner Rolle war und wie sehr er
sich auf Rollen verstand, ist uns nicht entgangen. - Als ihr Vater den Kavalier
nannte, fiel Sophie in Ohnmacht; sie erholte sich nicht eher, als bis er ihr
verhieß, seines Namens nicht weiter gedenken zu wollen. Wer erwartete vom
Gastvetter Rollenverteilungen? Freilich ein anderer Teaterdirektor, als der
Engländer; warum aber Theater? - Um sich der Denkart in Rosental zu bequemen,
und wo möglich die falsche Richtung, die man dem Kopfe seines Eidams gegeben,
zum Besten zu kehren. Auf allen Umwegen und Wegen, welche der Ritter einschlug,
verfolgte ihn der Gastvetter; der Genius dieses edlen Mannes war sein Begleiter,
und nie hätte er ihn völlig sinken lassen. Desto besser, dass der Ritter ohne
diesen Genius sich selbst aufzuhelfen verstand! - Der Gastvetter ließ ihn diesen
Zirkel ungestört machen, um ihn sich selbst zu
