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was die besten Eltern nicht reichlicher und tauglicher bewirken konnten; war
indes die falsche Sophie die einzige, die er erziehen ließ? Sein Gelübde war
(ein besonderes votum castitatis!) so viele Mädchen erziehen zu lassen, als er
weiland zu Liebhaberinnen gehabt; und wahrlich, das war keine kleine Zahl! Warum
aber sollte bloß seine Sophie diesen harten, fast übernatürlichen und
teurgischen Proben ausgesetzt werden, da es mit den andern Pflegetöchtern
entweder gar nicht zur Probe kam, oder da sie leichter abkamen? Gewiss, seine
Sophie müsste zu wenig in der Mädchen-Aritmetik erfahren gewesen sein, wenn sie
nicht summa summarum herausgebracht hätte: es sei besser, einen Gemahl ihrer
Gnade leben zu lassen, als der Gnade eines alten launigen Engländers zu leben.
Bei aller Unbefangenheit, die unserm Ritter in Liebesangelegenheiten eigen war,
hätte ihn Sophiens zuvorkommende Gefälligkeit freilich befremden können und
sollen; und - sie befremdete ihn wirklich. Bei aller seiner Verliebteit würde
er einen großen Teil von seiner guten Meinung in Hinsicht ihrer aufgegeben
haben, wenn sie nicht Sophie, wenn sie nicht die rechtmäßige Besitzerin seiner
Maurerhandschuhe gewesen wäre. Diese Hieroglyphe hatte sie, wenn ich so sagen
darf, copulirt. - Da die falsche
                                    §. 160.
                                        
                                  Begleiterin
gegen den Knappen noch freigebiger war, als die falsche Sophie gegen den Ritter,
lag es nicht in der Natur der Liebe, dass Zusammenkünfte verabredet wurden, die
so geheim blieben, dass der Engländer nichts merken konnte? Bei den
theatralischen Unterredungen, die unter seiner Direktion vorfielen, spielten die
Verliebten ihre Rollen so magisch, dass man glauben sollte, sie hätten dem alten,
neuen und neuesten Testamente des Platonismus den Eid der Treue geleistet. Wie
das
                                    §. 161.
                                        
                                   Baumorakel
der ächten Sophie ausgefallen? Der Baum Er? allerliebst! Der Baum Sie?
verdorrte. Wie das? Ein Versehen des kleinen Spions zwischen Er und Sie. -
Dieser unerwartete Vorfall (wer sollte das denken?) brachte die kleine
Schwärmerin auf den unerlässlichen Gedanken, sie würde sterben. Da sie sich
keiner Untreue gegen ABC bewusst war, was konnte der Untergang des Baumes Sie
anders bedeuten? Vergebens verschwendete die Zofe die ersten und besten
Beruhigungsgründe. Die Apostel selbst, die so wunderbare Krankheiten heilen,
hätten hier bei ihrer Kunst den Kürzern gezogen. Ein wunderbarer Einfall der
Zofe, den Baum bis auf seine Wurzel zu untersuchen, und ein noch wunderbareres
Glück, dass Sophie gegenwärtig war; sie hätte sonst so wenig an den Befundschein
als an die Trostgründe geglaubt! Jetzt fing sich durch die abgeschnittenen
Wurzeln ein Rätsel an aufzuschließen, das Sophien und ihre Zofe auf so
wildfremde Gedanken gebracht hatte. Man setzte von Stund an eine Probe aus, bei
der über Er und Sie dem kleinen
