 keine Entschuldigung austreiben könnte. Liebte der Ritter nicht
den Selbstbetrug? Wenn er es sich nicht übel nahm, die Idee seiner Sophie malen
zu lassen; warum sollte man nicht seine Idee in natura darstellen? Wo ist denn
die wahre Sophie? Die Apostel, die zwar Geister, so viel man verlangte, nicht
aber die wahre Sophie, citiren konnten, hätten gewiss nicht verfehlt, diese
Dulcinea ausfindig zu machen. Nur zu einer Zeit, als sie nicht zu finden war,
entschloss man sich zur falschen. Konnte der Vater und Bruder dafür, dass der
Ritter so sophiensüchtig war, dass er nicht länger anstehen wollte?
    Diese falsche Sophie war gewiss nicht ohne viele Kosten und Mühe zu Stande
gebracht; und wie? hielt der Engländer sie nicht in der Tat für eine Art von
Sophie, für eine nicht gemeine Tugend? War es seine Schuld, dass sie Feuer sing?
Warum war der Ritter so liebenswürdig? Der Engländer hatte in seiner
vieljährigen Praxis weibliche Tugend kennen gelernt; selbst Festungen nicht, die
auch nur capitulirten; - und doch, blieb er nicht Teaterdirector? Ließ er nicht
seine Komödiantin lange allein? Behielt er sich nicht die Einlenkung vor? Und
wie konnte er sich vorstellen, ein Mädchen, das ihm alles zu verdanken hatte,
würde so unerkenntlich sein, und aus der Rolle fallen? War es je seine Meinung,
dass die Sache so weit (bis zur Verwechslung der Handschuhe) kommen sollte?
    Aber der Actrice selbst, war es ihr ganz zu verdenken? Fiel sie nicht aus
der Rolle bloß in die Natur? Würde sie nicht eine unerträgliche Schauspielerin
gewesen sein, wenn sie die Natur nicht mit der Kunst verbunden hätte? Tat sie
mehr, als was alle Mädchen auf Gottes Welt tun, denen der Beruf obliegt, in
sich verliebt zu machen, und dann entweder wieder zu lieben, oder aus der
Verliebteit des männlichen Teils Vorteil zu ziehen? Lässt sich die Liebe
darstellen, ohne dass man liebt? Und wenn ein Licht das andere ansteckt, wenn
Liebe Liebe entzündet; wer ist Schuld? Unser Ritter war freilich sehr weit
entfernt gewesen, es bei seiner Sophie für einen Vorschritt in der fleischlichen
Zuneigung anzulegen; doch artet die geistige Liebe nur zu leicht in fleischliche
aus, so dass ich für keinen als den Engländer Bürge bin, der indes vielleicht
selbst bei seinem Platonismus das Fleisch nicht verlassen haben würde, wenn es
nicht so ungütig gewesen wäre, ihn zu verlassen. Der Ritter, im System der Liebe
völlig unerfahren, war nicht nur, ohne es zu wissen, verliebt, sondern konnte
auch, ohne es zu wissen, verliebt machen. Beide Dinge sind zu unzertrennlich.
Freilich hatte der Engländer zu der Erziehung seiner Sophie alles beigetragen
