 Blut. - Wenn innere Würde sich mit äusserlicher
Pracht vereinigt, wenn der Zweck so edel ist, wie die Ausführung: dann ist Prosa
Poesie, deren sich niemand schämen darf. - Wenn Poesie unsere Aufmunterung,
nicht unser Ziel, unser Mittel, nicht unser Zweck ist: o, dann verlohnt es der
Mühe, ein Poet zu sein - und Plato selbst war es, der bloß Asterpoeten des
Landes verwies, das indes auch nicht in rerum natura, sondern in der Poesie
existirte. In einer poetischen Republik Poeten nicht dulden wollen, ist wahrlich
sonderbar! Adam und Eva im Paradiese befanden sich übrigens gar nicht in der
Notwendigkeit, zur Dichtkunst ihre Zuflucht zu nehmen: sie hatten beim lieben
Gott eine offene Tafel, und alles, was sie nur dachten (es zum Wünschen kommen
zu lassen, hatten sie nicht nötig), stand vor ihnen. Auf anakreontische
Anlockungen durfte es der verliebte Adam nicht stutzerisch anlegen. Eva liebte
nicht sich, sondern ihn, so wie auch seine Liebe nicht aus Erkenntlichkeit,
sondern aus Herzensneigung über alles ging - und so auch über ihn selbst! - Den
Apfel, Vater Adam, hättest du nicht aus ihren Händen nehmen sollen, so lieblich
sie ihn auch abgeschält hatte! - Poesie lehrt indes, nicht bloß aufs Wort,
sondern auch auf den Ton merken, und haben Gedanken allein auf den Ausdruck und
nicht auch auf den Ton Einfluss? Gibt es nicht eine gewisse Aufgeblasenheit der
Worte, die man Bauernstolz nennen könnte, welcher wahrlich die unerträglichste
aller Stolzarten ist und selbst über den Stolz der Heiligkeit geht? Reden ist
Kunst; recht Reden ist Natur. Wahre Ehrbegierde ist die Poesie bei unsern
Handlungen und bei unsern Worten. Die höchste Sprache ist die, welche jeden
Wortputz verschmähet, und keinen Ruhm wegen der Ausdrücke, sondern wegen der
Gedanken, die in den Worten enthalten sind, sucht und findet. Man trachte nach
Gedanken am ersten, und Worte und ihre Gebärden, der Ton und alles andere wird
uns zufallen von selbst. - Ich hätte sehr viel darum gegeben, den wirklichen
Adam und auch die jungfräuliche Eva singreden oder redesingen zu hören. Singen
ist die Musik des ledigen, Spielen die Musik des ehelichen Standes, in welchem
man die Stimme verliert, man weiß nicht wie! Bei so manchem großen
paradiestschen Verluste verlor das erste Paar auch seine Stimme. Jammer und
Schade! - Was die Instrumentalmusik betrifft, so entstand sie nicht im
Paradiese; Adam und Eva hatten vielmehr zu jener glücklichen Zeit ein
Freibillet, das Sphärenconcert zu besuchen, wenn sie wollten, und nur nach dem
betrübten Sündenfalle ahmte der Mensch auf einer Rohrpfeife nach, was er so im
Großen gehört hatte. Welch ein Abfall! vom Sphärenton zur Schäferflöte
