 Wo ihr Auge nur
hinreicht, verbreitet sie Heil und Segen, und das alles so in der heiligsten
Stille, wie das göttliche Wesen - oder wie jener herrliche Bach im Lustwäldchen,
der, ohne einen Laut von sich zu geben, Menschen, Vieh, Blumen und Kräuter
erquickt. Stolz zerstört jede Schönheit, macht alles unsymmetrisch und verdirbt
unsere Gesichtszüge und Lineamente noch ärger, als die Blattern. Edelmut
übertrifft die drei Grazien und die neun Musen. Heraldicus junior konnte nicht
umhin, seiner Schwester zu versichern, dass sich sein voriger und sein jetziger
Umgang verhielten wie ungeschmierte Türangel- gegen Lautentöne. - - Freilich
sind oft die Dürftigen nur dürftig, der gemeine Mann nur gemein, sonst aber
bieder und brav; freilich gibt es unter den Großen wahrhaft kleine Menschen,
unter den Reichen bettelarme, unter den Hochgeehrten niederträchtige, unter den
Hochgelehrten unweise, - doch gibt es auch unter ihnen viele, die ihres Standes
und ihres Reichtums würdig sind, die beides zu genießen verstehen, ohne sich zu
überladen. Man erwäge, dass Heraldicus junior nicht ohne Talente war; dass seine
Burschenmanieren, sein ins Gemeine sinkender Anzug ihn, als er seine
Hofmeisterstelle antrat, bei aller Gelegenheit im Herzen fragten: Freund, wie
bist du hereingekommen und hast kein hochzeitliches Kleid? - Wird man sich noch
über seinen Freiheitssinn und über seine Abneigung von aller persönlichen
Konvenienz wundern? Der Gastvetter hatte ihn hingerissen, allein nicht
eingenommen. - Und warum nicht? Weil er kein Schneiderssohn war; weil, obgleich
seine Seele einen Adel behauptete, den kein Diplom und keine Stammtafel
verleihen kann, er doch so leicht das nicht hätte werden können, was er war wenn
er nicht ein Edelmann gewesen wäre. So manches gute Wort, das der Ritter fallen
ließ, hatte indes gezündet, und obgleich Heraldicus junior sich allerdings
überzeugte, dass Reichtum und Stand Zeugen und Beklatscher nötig haben, und dass
dergleichen Zeugen und Beklatscher, wenn sie sich nicht von selbst melden, von
den Reichen und Vornehmen mühsam aufgefordert und eingeladen werden: - verdient
es Vorwurf, nicht nur sein Brod, sondern auch seinen Reichtum, mit andern zu
brechen? Man zeigt seine Pokale; allein es sprudelt Champagner darin. Seht!
zuweilen erhebt Tokayer den Krystall! Man will mit seinem Silbergeschirr
prahlen; allein es enthält die geschmackvollsten, einladendsten Speisen. Ist es
denn nicht eine gute Seite der Menschen, dass sie nichts für sich allein behalten
können? Newton und Kopernicus würden nicht erfunden haben, wenn sie nicht in
Gesellschaft gelebt hätten. Wie gut ist es, dass Edelgesteine nicht strahlen,
wenn sie nicht von andern gesehen werden; dass Gold nicht leuchtet, wenn andere
es nicht zu bemerken würdigen; dass der Stolze, der Reiche nichts für
