 hielt bei dem Unterrichte
sehr viel auf Übung des Gedächtnisses durch Auswendiglernen, besonders in den
Jahren, wo man so leicht auffasst und so viel Stunden übrig hat, die man nicht
besser anwenden kann, als damit, dass man in dem Magazine für die ganze übrige
Lebenszeit die rohen Materialien aufhäufe, welche die reifere Vernunft in der
Folge ordnet, auswählt und zum herrlichen Genuße für das Alter bearbeitet.
Indessen gestehe ich gern, dass, wenn irgend etwas, was man lernt, unnütz sein
kann, mein Vater seine Schüler manches unnütze Wort lernen ließ. Übrigens fühlte
er schwer die Last seines undankbaren Berufs. - Geringe Besoldung, schwere,
vielleicht oft gänzlich verlohrne Arbeit vom frühen Morgen bis in die Nacht, und
manche Demütigung von Seiten andrer, weniger nützlicher, aber darum nicht
weniger übermütiger Stände. Er war daher fest entschlossen, seine beiden Söhne
(denn ich hatte, oder vielmehr habe noch einen jüngeren Bruder) eine andre
Laufbahn antreten zu lassen. Der Eine sollte zu Hause, in Blankenburg selbst,
die Jägerei lernen - mein Großvater war Oberförster gewesen - ich aber wurde der
Kaufmannschaft gewidmet und desfalls zu einem Verwandten nach Nürnberg
geschickt.
    Wir hatten kaum beide ein Paar Jahre in dieser neuen Lebensart zugebracht,
als mein Vater starb und gar kein Vermögen hinterließ. Dies war grade zu der
Zeit des siebenjährigen Krieges; Es wurde im Braunschweigschen ein Jägercorps
errichtet und mein Bruder nahm Dienste in demselben. Was mich betrifft, so
wollte mir das ruhige Leben am Komtoir-Pulte auch gar nicht gefallen; von allen
Seiten her ertönte nichts als Kriegesgeschrei; das machte mir dann Lust, mein
Heil bei den Waffen zu suchen. An einem schönen Morgen packte ich meine kleinen
Habseligkeiten zusammen, ging fort aus Nürnberg und ließ mich bei dem Freicorps
des französischen Obersten Fischer anwerben.
    Es schien, als wenn das Glück meinen raschen Schritt begünstigen wollte;
gleich im ersten Feldzuge wurde ich Unterofficier und in dem darauf folgenden,
wo ich Gelegenheit hatte, bei einigen Vorfällen Mut und Gegenwart des Geistes
zu zeigen, Offizier. Hierzu kam noch, dass ich ein paarmal sehr reiche Beute
machte, jedoch unter Umständen, die, ich darf es mit gutem Gewissen behaupten,
meinem Herzen nicht zur Schande gereichten, denn ich hasste das Plündern und alle
die Grausamkeiten, welche unsre Leute sich zuweilen erlaubten. Einst - es war im
Winter, und wir hatten Ruhe von den Feinden - war ich mit dem Major von Hoym und
dem Hauptmanne Faber nach einem Nonnenkloster geritten, welches eben keine
strenge Klausur hatte, am wenigsten jetzt, im Kriege, wo man es so genau nicht
nehmen durfte, sondern muntere Gesellschaft ganz gern sah und sich sogar gefallen
ließ, zuweilen ein Tänzchen mit Offiziers zu machen. Dort
