 merkten), übrigens wolle er die Sache
seinen Räten empfehlen. Und dabei blieb es. Die Bittschriften wurden an die
verschiedenen Departements abgeliefert; - und wehe dem, der darin über
Ungerechtigkeit und Bedrückung geklaget hatte! Ihm wussten es die Bassen
einzudrängen! Wurde aber einer, dem man es recht arg gemacht und der nun nichts
mehr zu verlieren, nichts mehr zu fürchten hatte, gar zu laut, ging hin zu dem
Könige und wusste sich Gehör zu verschaffen, so dass Seine Majestät etwa einmal
aus ihrem Seelenschlafe erwachten und ernstlich befohlen, dem Armen zu helfen,
dann verbanden alle sich gegen ihn; er wurde dem Monarchen als ein Querulant,
als ein unruhiger Kopf geschildert, der nie zufrieden wäre, den man gar nicht
anhören müsste. Zugleich machte man ihn dem Volke verdächtig, brachte allerhand
böse Gerüchte von ihm in Umlauf, als sei er ein gefährlicher, boshafter Mann;
und so fand denn der Unglückliche weder Gehör noch Glauben, noch Beistand.
    Der König von Orawad schien eine unförmliche Fleischmasse ohne Geist und
Leben zu sein; unfähig, an irgendeiner Sache wahres Vergnügen zu finden, für
irgendeinen Gegenstand Interesse zu fassen, irgendein paar Begriffe zu verbinden
und zu ordnen, war er nicht nur weit entfernt, seine Regentenpflichten erfüllen
zu können, sondern auch ungeschickt, mitten in dem Schlaraffenleben, das er
führte, einen Augenblick von Genuss zu haben und eine leidlich anständige,
ernsthafte Miene anzunehmen, wenn seine Hinterviertel den Thron seiner Väter
ausfüllten. Echte Stupidität und Langeweile dehnten sich auf seiner Stirne, und
wenn er den Mund öffnete, so geschah es, um eine Albernheit zur Welt zu bringen.
Unter seinen Weibern das wollüstigste und ränkevollste beherrschte ihn, und das
auf eine so verächtliche, erniedrigende Weise, dass sie ihn bei jeder Gelegenheit
öffentlich zu einem Gegenstande des Spottes machte. So unersättlich wie ihre
körperlichen Begierden, so grenzenlos war ihr Hang zur Pracht und Verschwendung.
Da war keine Art von Auflage zu erdenken, womit man nicht das arme Land
heimsuchte, um den unvernünftigen Aufwand der Königin zu bestreiten und ihre
niederträchtigen Sklaven, Lieblinge und Buhler zu bereichern. Der höchste Grad
von Verderbnis der Sitten herrschte in allen Ständen und verhinderte das an
Leib, Seele und Vermögen zugrunde gerichtete Volk, sich dem abscheulichen
Despotismus entgegenzustemmen, womit es geschunden wurde. Ein zweideutiges Wort,
ja, nur ein lauter Seufzer war hinlänglich, den, welchem dies Wort oder dieser
Seufzer entfahren war, auf seine Lebenszeit im Kerker schmachten zu lassen.
Verhaftbefehle und Todesurteile wurden, unter mutwilligen Scherzen, in der
Garderobe und im wollüstigen Taumel ausgefertigt, indes man dem seelenlosen
Monarchen, in dessen Namen man dies Unwesen trieb, kleine Nüsse hinwarf, womit
er spielen musste, und ihn mit Hohn in
