 ihre Verpflegung.)
Endlich werden jene Häuser, wie gesagt worden, von Gelehrten bewohnt, denen man
in ihrem Alter, zum Preise ihrer Verdienste um das Menschengeschlecht, eine
glückliche Musse verschaffen will. Sie werden an großen Tafeln gespeist, haben
in den angrenzenden Gärten Gelegenheit, frische Luft einzuatmen und sich eine
gelinde Bewegung zu machen, und werden überhaupt, bei einem kleinen Jahrgelde,
das sie erhalten, in Wohnung, Kleidung und allem, was zu einem von Sorgen
freien, angenehmen, doch philosophisch mäßigen Leben gehört, so gepflegt, dass
sie Zufriedenheit und Ruhe genießen können. Hat einer von ihnen bares Vermögen,
so muss er bei seinem Eintritte eine Summe, die sehr geringe angesetzt ist,
welche aber zu erhöhen seiner Großmut überlassen bleibt, zu dem Fonds dieser
wohltätigen Anstalt zuschiessen.
    Ein Teil der Einkünfte dieser Häuser wird verwendet, Büchersammlungen,
Naturalienkabinette, Maschinen, Modelle und dergleichen anzuschaffen.
    Eine gewisse Anzahl junger Leute, die sich den Wissenschaften widmen, die
Bibliotheken und den Umgang erfahrner Männer nützen wollen und denen es ein
Ernst ist, in ihrem Fache groß zu werden, erhalten die Erlaubnis, wenn sie
Zeugnisse ihres bisherigen Fleißes beibringen können, gegen Erlegung eines
gewissen Kostgeldes drei Jahre lang in diesen Häusern zu wohnen. Die Greise sind
nicht verbunden, ihnen Unterricht zu geben; es müssen aber die Jünglinge, durch
bescheidne Bitten und Fragen, durch Proben von Lehrbegierde und durch edle
Aufführung, zu erlangen suchen, dass ihnen die Wohltat eines guten Rats und einer
belehrenden Zurechtweisung nicht versagt werde.
    Es ist erwähnt worden, dass bei uns alle junge Leute bis in ihr funfzehntes
Jahr in den öffentlichen Schulen eine gleiche Art des Unterrichts genießen,
folglich alle gleich vorbereitet sind, neben dem Gewerbe, dem sie sich alsdann
widmen, auch die gelehrte Laufbahn zu betreten. Zu Fortsetzung der Studien nun
für diejenigen, welche sich den Wissenschaften ergeben wollen, ist das
zweckmässigste Mittel, dass sie einen Gelehrten, zu dessen Kenntnissen, in dem
Fache, das sie gewählt, sie das größte Zutrauen haben, bewegen, sie als Schüler
anzunehmen; denn wir haben keine Universitäten, und sowenig als wir
Handwerkszünfte haben, sowenig gibt es bei uns Gelehrtenzünfte oder Fakultäten.
    Die Ursache, weswegen wir keine Fakultäten haben können, ist sehr
begreiflich. Die Theologie ist in Abyssinien keine positive, autorisierte
Wissenschaft; die Rechtsgelehrsamkeit ist gleichfalls bei uns kein besondres
Studium, da jeder Mitbürger verbunden ist, sich mit den sehr einfachen
Landesgesetzen bekannt zu machen, wozu er schon in der Schule die erste
Anweisung erhält. Eine philosophische Fakultät oder Zunft ist vollends eine
Albernheit, da Philosophie auf freiem Nachdenken beruht und jeder verständige,
nachdenkende Mann sich sein eigenes besondres philosophisches System, wie es für
seinen Kopf und sein
