 man sich selbst geben oder nehmen würde,
wenn man nicht darüber einig geworden wäre, einem gemeinschaftlichen Ausspender
und Verwalter sich anzuvertrauen, und dieser hat Ursache, dem Volke dafür zu
danken, dass es ihm erlaubt, auf so wohlfeile Art Gutes zu tun und Menschen froh
zu machen, ohne dass es ihm etwas kostet. - Man verzeihe mir diese Ausschweifung!
Das sind Wahrheiten, die man nicht oft genug sagen kann. - Kehren wir nun zu
unserm neuen Könige zurück!
    Jedermann war nun in Erwartung, wodurch der junge Negus den Antritt seiner
Regierung bezeichnen würde. Die ersten Monate verstrichen mit Feierlichkeiten,
Krönungen, Huldigungen, mit Erteilung von Titeln, Orden und Ausspendungen von
Geschenken an allerlei gute, schlechte und unbedeutende Menschen. Da Seine
Majestät sich nicht gern mit Arbeiten abgaben und mein Herr Vetter als ein
fleißiger, der Geschäfte kundiger Mann bekannt war, dem Negus auch als
Kronprinzen nie etwas zuleide getan hatte, so blieb es anfangs mit ihm beim
alten, und er behielt seine Stellen und Würden. Was mich betrifft, so hätte ich
freilich eine Beförderung zu höheren Ehrenämtern erwarten können; denn es hatte
mir der alte Negus dergleichen versprochen, wenn ich den Prinzen glücklich
zurückbrächte. Allein man weiß ja, wie wenig ich mich bei dem jungen Herrn und
seinen Günstlingen eingeschmeichelt hatte; ich blieb also, was ich war,
Baalomaal, und konnte froh sein, dass ich nicht verabschiedet wurde. Einige
schiefe Gesichter, die ich zuweilen bekam, und je einmal einen matten Spott über
langweilige Philosophen abgerechnet, ging mir's also nicht schlimm. Manim wurde
Finanzrat, Soban aber erhielt eine Pension und die Erlaubnis oder vielmehr den
Wink, mit seiner Familie nach Sire zu ziehen, woher er gebürtig war. Sein
Hofnarrenamt würde ihm den Freibrief gegeben haben, ungestraft derbe Wahrheiten
zu sagen, und die hatte man nicht Lust zu hören.
    Der neue König wurde nun mit Bitten und Klagen aller Art bestürmt, wie denn
bei solchen Regierungsveränderungen alles Alte wieder aufgerührt zu werden
pflegt und nun jeder das durchsetzen zu können hofft, was ihm bis jetzt nicht
hat glücken wollen. Die mehrsten dieser Bittschriften wurden dem Minister zur
Prüfung, und um das Nötige zu verfügen, von Seiner Majestät übergeben, und dies
gab meinem Herrn Vetter wirklich Gelegenheit, manche nützliche Abänderung zu
machen, wovon der alte Negus, aus einem kleinen Eigensinne oder irgendeinem
Vorurteile, nichts hatte hören wollen. Die Räte in allen Departements suchten
sich angenehm zu machen und kamen mit nützlichen Vorschlägen, die zum Teil
ausgeführt wurden. Wo irgend in Geschäften Schläfrigkeit eingeschlichen war und
Sachen liegengeblieben waren, da trat nun neue Tätigkeit ein. - Die Ehre von
diesem allen fiel auf den jungen König, und da hieß es wieder:
