 Italien,
woselbst sie eingeschifft wurden, glücklich nach Kairo und von da zu Lande
weiter nach Abyssinien kamen.
    Das Heer der Mönche, die wir in den katholischen Gegenden, durch welche wir
reisten, antrafen, fiel unsern Abyssiniern sehr auf. Sie wünschten alle, man
möchte diese völlig unnütze Menschenklasse gänzlich aussterben lassen. Ich
konnte nicht anders als diesen Wunsch billigen, nur fügte ich die Bemerkung
hinzu, es möchte, wenn es einmal dahin kommen sollte, die unnützen Stände ganz
oder zum Teil aufzuheben, doch auch die Reihe solche treffen, die wenigstens
ebenso unnütz und vielleicht viel schädlicher wären, und da dachte ich denn
freilich, obgleich ich selbst einst Sachwalter gewesen war, an das ungeheure
Heer der Advokaten und an manche andre Menschenklassen, die ihren Unterhalt von
den Torheiten und Verderbnissen der Leute ziehen.
    Die Menge religiöser Gebräuche und der zum Teil geschmacklose, kleinliche
Prunk, welcher in den katholischen Kirchen herrscht, war gleichfalls ein Stein
des Anstoßes für meine Reisegefährten, die an keinen andern Gottesdienst als an
kurze feierliche Gebete gewöhnt waren. Nicht besser aber waren sie von den
protestantischen Kirchengebräuchen zufrieden. »Etwas für die Sinne muss jedoch
der äußere Gottesdienst haben«, sagte Manim, »eben weil es äußerer Gottesdienst
ist und die Menschen sinnlich, durch sinnliche Mittel zu rühren sind und für
höhere Eindrücke empfänglicher gemacht werden. Eine bloße Verstandesreligion,
bei welcher gar nicht auf das Gefühl Rücksicht genommen wäre, würde daher aller
äußern Feierlichkeiten entbehren können. Sollen aber gottesdienstliche Gebräuche
stattfinden, zu welchen sich Menschen aus allen Volksklassen versammeln, so
müssen diese Gebräuche nicht kindisch, aber auch nicht langweilig sein. Eine
Predigt, das heißt eine Rede über irgendeinen religiösen Gegenstand, ist eine
gute Sache; aber sie kann nicht als ein gottesdienstlicher Gebrauch angesehen
werden und wirkt nur bei denen, welche, ihrer Gemütsstimmung nach, grade zu der
Zeit an dem verhandelten Gegenstande teilnehmen können, und nur bei denen,
welchen der Vortrag gut und geschmackvoll vorkömmt, also bei einer sehr kleinen
Anzahl von Zuhörern, einige Rührung; wirkt durch den Verstand auf das Herz,
statt dass das Wesen des äußern Gottesdienstes gewiss darin bestehn soll, durch
das Gefühl, durch das Herz, durch die Sinne auf den Verstand, auf den Willen zu
wirken. Sollte nun aber ein kalter Räsoneur oder sogenannter Philosoph alle
äußern sinnlichen Mittel, nämlich Feierlichkeit, einfache Pracht, Zauber der
Musik, der Baukunst und der Malerei für unwürdige Mittel halten, das Herz zur
Gottesverehrung zu stimmen, so wird er doch zugeben müssen, dass es noch viel
unverständiger und unwürdiger sei, Eindrücke von ganz entgegengesetzter Art zu
bewirken und solche gottesdienstliche Gebräuche einzuführen, die jeden Mann von
edelm Geschmack, von feinem Gefühle und von gesunder Vernunft empören, ihm
