 Stadt warb ich auch zwei Maler, einen Bildhauer, einen
Baumeister und noch einen Tonkünstler für Abyssinien an. Mit Vergnügen sah ich,
in welchem blühenden Zustande hier die schönen Künste waren. Vor zwanzig Jahren
schien man in Deutschland so sorglos über diesen Punkt und überlegte nicht,
welchen Einfluss der beständige Anblick von falschen Schnörkeln, überladnen
Zieraten, zwecklosen Kleinigkeiten und die Gewohnheit, Misstöne zu hören und
verzeichnete Karikaturen und bunten Popanz zu sehen, auf den Geschmack, auf die
Denkungsart und auf die Einfalt des Charakters haben, schöne Formen und
allgemein herrschende Harmonie hingegen Kopf, Herz und Sinn veredeln. Die
Entdeckung der Monumente des schöneren Altertums in Italien hat einigen
wohltätigen Einfluss auf den Geschmack und das Gefühl der Deutschen gehabt.
Leider aber reißt jetzt, da ich dies schreibe, wieder die elende Augenlust an
bunten Arabesken und kindischem Firlfanz bei uns ein; und so werden wir denn
wohl bald wieder in die Zeiten der gotischen Barbarei zurücksinken.
    Die Menge der Bettler, die uns in manchen Städten, besonders in solchen, wo
katholische geistliche Fürsten regierten, haufenweise anfielen und auf allen
Spaziergängen das unschuldige Vergnügen des Genusses der schönen Natur durch den
Anblick des Elendes verbitterten, gaben meinen Reisegefährten sehr üble Begriffe
von der Polizei in Deutschland und von der Menschenliebe der Regierungen.
Niemand ging in seinem Tadel unbilligerweise weiter als der Geheimerat, Ritter,
Doktor und Hofnarr Soban. Einst sah ich ein Heft von seinem Reisejournale
liegen, blätterte darin und fand folgende bittere Stelle:
    »Die Schauspiele und andre öffentliche Vergnügungen sind in manchen
deutschen Städten sehr prächtig; die Hospitäler, Waisen- und Findelhäuser
hingegen elend und jämmerlich. In großen Residenzen geht man unentgeltlich in
die Oper, muss aber seinen Platz in der Kirche und alle gottesdienstlichen
Handlungen, Trauung, Taufe, Beichte etc., bezahlen. Ein Tänzer oder ein
verschnittner welscher Sänger bekommt jährlich funfzigmal mehr Gehalt als ein
Volkslehrer und Kindererzieher, Jener wird bei den Großen des Reichs zur Tafel
gebeten, wenn sie sich selber ehren, für Kenner der Kunst gelten wollen; diesen
hingegen bittet höchstens dann ein Minister einmal zum Essen, pflanzt ihn neben
der Tür hin und redet kein Wort mit ihm, wenn er, außer seinen Kindern und dem
Informator, grade niemand an der Tafel hat als etwa seinen Advokaten und den
Gerichtshalter von seinem Gute. Sammle in einer Gesellschaft von reichen Leuten
zu einer Summe, wofür Philadelphia oder irgendein andrer Gaukler seine unnütze
Künste zeigen soll - und es wird Dukaten in deinen Hut regnen; sammle ein
Almosen für eine fleißige, in Dürftigkeit geratne Familie - und man wird mit
Verdruss Groschen hineinwerfen. Die müßigen Hofschranzen fahren in vergoldeten
Kutschen; der nützliche Handwerker und Künstler muss zu Fuße umherschleichen, um
vergebens die Rechnungen in die Paläste zu tragen
