 in katholischen Kirchenmusiken, nicht nur äußerst selten einfachen
edelen Gesang ohne melismatische Verzierungen, sondern es wäre auch nichts
Ungewöhnliches, den Organisten, während der Wandlung, das Thema eines Liedchens
aus einer Opera buffa leiern zu hören; überhaupt forderte man jetzt von der
Musik nichts, als dass sie das Ohr kitzeln, und von dem Spieler und Komponisten
nichts, als dass sie überraschen, sich durch irgendeine Bizarrerie auszeichnen
sollten. Die Italiener fingen schon wieder an, die Rezitative, dem Namen und
Zwecke dieser Gattung gänzlich entgegen, statt eines einfachen, der gewöhnlichen
Sprache, bis auf die stärkere Akzentuierung nach, so nahe als möglich kommenden
Vortrags, mit Manieren, Läufen und Passagen zu überladen. Kürzlich wäre eine
vortreffliche Sängerin, die aber zu reine Begriffe von ihrer Kunst gehabt hätte,
um jenen verdorbnen Geschmack anzunehmen, in einer großen Residenz angekommen;
man hätte es ihr aber unmöglich gemacht, sich soviel Zuhörer zu verschaffen, als
zu Bestreitung der Unkosten eines Konzerts erforderlich gewesen wären. Bald
nachher hätte ein reisender Scharlatan angekündigt, er wolle sich auf der
Maultrommel öffentlich hören lassen, und da hätte nicht nur die Polizei den Kerl
nicht zur Stadt hinausgejagt, sondern er wäre mit einem bespickten Beutel
weitergereist.
    Am mehrsten Beifall fand damals, wie ich merkte, die Musik der italienischen
Opere buffe. Deutsche Männer, die Talente zu bessern Dingen gehabt hätten,
fingen an, diese elenden geschmack- und sittenlosen Farcen zu übersetzen, der
italienischen Komposition, ohne Rücksicht auf Vernunft, Wohlklang und echte
Deklamation, holprichte deutsche Worte unterzulegen, und das Publikum tötete in
diesem abscheulichen Schauspiele seine besten Stunden, hörte nur auf das Geleier
und übersah den Unsinn - als wenn es unmöglich wäre, Vernunft und Geschmack zu
vereinigen. - Die welschen Possenspieler hatten Zulauf in Menge, und unsre
einländischen Meisterstücke wurden vor leeren Bänken aufgeführt.
    Da es denn nun einmal mit der Tonkunst in Deutschland nicht anders aussah
und ich doch deutsche Tonkünstler anwerben sollte, so schloss ich mit dem
Kapellmeister und dem Violinisten meinen Kontrakt und nahm noch einen Virtuosen
auf einem ganz neuen Instrumente an, welches man das Basset-Horn nannte und das
viel Ähnlichkeit mit dem Geschrei einer wilden Gans hatte.
    Auf diese Weise waren nun meine Geschäfte in Leipzig beendigt, und ich
reiste mit meinem Prinzen und seinem Gefolge weiter.
 
                                Viertes Kapitel
  Ankunft in Kassel, Transport der Gelehrten und Künstler nach Abyssinien. Der
                         Kronprinz tritt in den Dienst
Es würde die Leser ermüden, wenn ich ihnen eine längere Beschreibung von
demjenigen liefern wollte, was wir auf dieser ersten Reise bis zu unsrer Ankunft
in Kassel sahen und beobachteten; deswegen will ich meine Erzählung nun von
unserm Einzuge in diese letztere Stadt wieder anfangen.
    Hier war es, wo mein Prinz in Kriegsdienste treten,
