 nicht beweiset, dass der Abkömmling von sechzehn adelig geborenen Personen
ein edler Mann und kein Tölpel sei, so suchen sie sich wirkliche Vorzüge des
Geistes und Herzens zu erwerben und, durch Beförderung einer weisen Aufklärung
und durch väterliche Sorgfalt für die ärmern Landleute, ihren Mitmenschen
wahrhaftig nützlich zu werden. Ja, in der Tat, so sind die deutschen Edelleute,
und ich kann es nicht begreifen, wie manche Menschen das Gegenteil behaupten
können. - Ein solcher Mann war denn auch der Kavalier, der meinen Herrn Vetter
zu sich nahm. Er besaß eine große Büchersammlung, in vergoldetes Leder gebunden
und mit seinem Wappen geziert, und da er fand, dass Joseph nicht ohne Kenntnisse
und nicht ohne gute Anlagen zu weitrer Ausbildung derselben war, so verstattete
er ihm den freien Gebrauch dieser Bibliothek, ließ ihn auch nicht lange die
Livree tragen, sondern nützte ihn, als eine Art von Schreiber, zu Führung seines
Briefwechsels und zu andern Geschäften.
    Hier lebte Herr Wurmbrand zwei Jahre lang, fand Gelegenheit, bei dem
Prediger des Orts Unterricht in einigen Sprachen und Wissenschaften zu erlangen,
befestigte sich aber, besonders durch Lesung vieler Reisebeschreibungen, immer
mehr in dem Vorsatze, ferne Länder und Völker kennenzulernen.
    Einstens erhielt der Edelmann Besuch von einem Professor aus Frankfurt an
der Oder, der sehr stark in orientalischen Sprachen war. Dieser lernte meinen
Vetter kennen, gewann ihn lieb und tat dem gnädigen Herrn den Vorschlag, er
möchte ihm den jungen Menschen überlassen, indem er für seine weitern Studien
und für sein Fortkommen zu sorgen versprach. Der Herr Professor hatte großen
Einfluss an Höfen, den er auf edlere Art nützte als wohl mancher andrer Professor
der Philologie, den ich kenne. Der Edelmann willigte ein, und Joseph reiste mit
dem Professor nach Frankfurt.
    Drei Jahre brachte Herr Wurmbrand bei diesem Gelehrten hin, war sein
Amanuensis, schrieb das, was dieser drucken ließ, ins reine, übernahm die
Korrekturen, gab sich ein wenig mit Rezensieren ab, studierte aber und las dabei
fleißig, was nicht jeder Rezensent tut, hörte indessen nicht auf, seinen
Wohltäter zu bitten, er möchte ihn doch irgendeinem vornehmen Herrn, der eine
weite Reise vorhätte, als Gesellschafter empfehlen, wozu man, wie billig ist,
gern Leute wählt, die sich auf orientalische Sprachen gelegt haben.
    So standen die Sachen, als ein pommerscher Edelmann, welcher Deutscher
Ordensritter war, sich eine Zeitlang in der dortigen Gegend aufhielt und sich an
verschiedene Personen mit dem Anliegen wendete, sie möchten ihm doch einen
geschickten Sekretär verschaffen; da dann mein Vetter, durch Vorsprache seines
Beschützers, diese Stelle erhielt.
    Den in diesen Dingen etwa unwissenden Lesern dient zur Nachricht, dass der
Deutsche Orden ein für die Menschheit sehr nützliches Institut ist.
