 des Barons
bezieht - mir aber als eine Anleitung dienen, die Verdienste meines Landsmanns
in ein noch schöneres Licht zu setzen - aber ich würde nur dadurch den Faden
meiner Erzählung, die doch auch bedacht sein will, verlieren. Genug, Du sollst
nicht darum kommen, und sollte ich Dir ihn in einem besonderen Futteral
mitbringen. - »Ich schmeichele mir,« fuhr der Baron mit sichtbarer innerer
Zufriedenheit fort, »dass ich die Zeit meiner Abwesenheit in fremden Ländern
nicht so gar übel für meinen künftigen Aufenthalt im Vaterlande und für das
Glück meiner Erwählten angelegt habe. Die Kenntnis der großen Welt muss
vorausgehen, um durch Vergleichung sein häusliches Glück desto schmackhafter zu
machen - so wie man nach einigem Genuss sehr feiner Gerichte gern wieder zu einer
kräftigen Hausmannskost zurückkehrt. - Auch mein Kunstgefühl soll mir
hoffentlich so viele Freude gewähren, als meinen Nachbarn ihre ruhige Ignoranz.
Die Leuchter - die Vasen von griechischer Form, denke ich, sollen mir so wenig
im Wege stehen als ehemals den Griechen - eine Venus von Titian wird meinem Auge
immer einen so angenehmen Ruhepunkt verschaffen, als das freundlichste Gesicht
einer Dorfnymphe, und Lady Baltimore in ihrer schönen Nacktheit, wo mich jeder
Pinselstrich an das Original erinnert, besser als noch jene Göttin, der man
außer ihrem Reiz auch nicht viel Gutes nachsagen kann. Da Sie Klärchen, wie ich
gehört habe, persönlich kennen, müssen Sie nicht eingestehen, mein Herr, dass ihr
Anblick minder noch wollüstige Begierden erweckt, als edle und erhabene Gedanken,
die nur durch die Ungestalt der Seele zurückgestoßen werden, die den herrlichen
Bau, wie die Kröte einen Tempel, bewohnt. Haben Sie wohl je Nevisans Gedichte
und die dreißig Bedingungen gelesen, die er zu einer vollkommenen Schönheit
fordert?« - »Ja,« antwortete ich, »ich habe diese Stelle erst kürzlich für einen
meiner Freunde abgeschrieben.« - »Und ich,« - erwiderte der Baron, »habe noch
mehr getan - habe sie, das Buch in der Hand, durch Klärchens Vermittlung mit
der Natur selbst - jedes rohe Wort des Dichters mit dem feinen Reiz verglichen,
den es anzeigt - sie alle an dem schönen Mädchen beisammen, aber durch das
lebendige Kolorit - durch die Abstufung des Schattens und Lichts - durch die
Schlangenlinien, die sie vereinigen, ungleich anziehender, und hier den Ausdruck
der Natur unendlich poetischer gefunden, als den Dichter. Hauchen Sie nun einer
so sinnlich vollkommenen Gestalt Selbstschätzung und Tugend ein, und Sie haben
das anbetungswürdigste Ideal weiblicher Schönheit und Würde. Ich will Ihnen aus
meinem Portefeuille ein Blatt holen, worauf ich die Physiognomie dieses Mädchens
nach verschiedenen Ansichten, als Nonne - Heilige - Betende - Entzückte und als
einen Engel geätzt habe. Wäre die Zeichnung
