 ich doch jetzt die
meisten wieder in ihren Staub zurückwerfe, da sie schlechterdings des
Durchsiebens nicht wert scheinen - voll verliebten Unsinns in altem Styl, der,
so eindringend er auch zu seiner Zeit wirken mochte, auf Herzen, wie sie in der
jetzigen organisirt sind, keinen als höchstens einen lächerlichen Eindruck
hervorbringen. Dafür will ich Dir ein Morgenbillet der liebenswürdigen Anna, das
sich bisher immer versteckt hielt, und so unbedeutend es aussah, mir doch zuerst
die Augen öffnete, seiner ganzen Länge nach abschreiben: Nos neuvaines ont fait
merveille. Depuis douze ans bien ecoulés, je viens de revoir mon gracieux mari
et maître. L'orage d'hier qui l'a tristement éconduit du cage de sa7 Fauvette,
me l'a ramené. Peus-tu croire qu'il a même soupé avec moi? Oui, oui! mon
reverend père, sans qu'il ait8 - touché à ton plat favori. En es-tu content? Il
est reparti pour Versailles. Que Dieu le conduisse. J'espère chasser de ma
chambre la peste de son haleine par l'encens que tu m'offriras. Je t'attens à
l'heure acoutumée de ma devotion. La Beauvais the dira le reste.
    Au Louvre ce 6 Decembr. 1637.
                                                                        A - d'A.
    Mir fiel in diesen Zeilen anfangs nichts so sehr ins Ohr als das
Spatgewitter, dem überall das gemeine Volk weit wichtigern Einfluss in den
Winter- als in den Sommermonaten zueignet. Nach seinen Begriffen ist es ein
Wecker der Vorsehung. Einem so ungewöhnlichen Tumult der Natur müsse, hofft es,
ein politischer nachfolgen. Ein fataler Volksglaube! der besonders in Russland an
manchem Unfug schuld ist, so dass ich aus Anhänglichkeit an die große Katarina
froh bin, dass während ihrer glorreichen Regierung sich kein dergleichen
Luftzeichen ihrem Horizonte genähert hat. Es waren nur ein paar flüchtige
Augenblicke, die ich an dieses himmlische Phänomen verlor; denn ich stieg
sogleich einige Zeilen tiefer, zu dem weit Erklärbarern herunter, das der Name
Beauvais meinen Nachforschungen Preis gab. Die vielen Briefe, die mit dieser
Unterschrift in meinem Portefeuille den königlichen Handschreiben beigesellt
waren, könnten doch wohl, vermutete ich, bedeutender sein, als ich ihnen bis
jetzt zugetraut hatte. Ich legte also vorerst meinen Händen die verschuldete
Strafe auf, die so sehr gestörte chronologische Ordnung der Briefe wieder
herzustellen, ehe ich meinen Augen anmutete, ihre Hieroglyphen zu entziffern.
Sie gingen freilich sehr scheu und und ungern daran, aber o was für eine wackere
Lehrmeisterin ist nicht die Neugier! Kaum hatte ich die ersten Schwierigkeiten
überwunden, und mich überzeugt, dass es Annens vertrauteste Kammerfrau sei, mit
der ich zu tun bekam, so
