 haben alle einen vornehmen Herrn gekannt, dem dies begegnete - der sich
endlich ein Faulfieber an den Hals, und mit sich sechs nützliche Menschen in das
Grab zog, die ihn während seiner ansteckenden Krankheit bedienten. Wir erzählten
einander in unsern Gesellschaften diesen Vorfall als die gleichgültigste Sache.
Hätte er aber unser Gefühl nicht eben so sehr empören sollen, als die in Indien
hergebrachte Zeremonie, nach welcher die Sklaven zur Begräbnissfeier ihres
verstorbenen Herrn geschlachtet werden? Wohl gut, dass es kein Philosoph war, dem
die Leichenrede unsers verklärten Freundes übertragen wurde! - Aber wie zum
Henker komme ich zu diesen moralischen Grillen? den ungeschicktesten, die ich
wohl hätte aufjagen können, um mich zu dem Gastmahl eines reichen Banquiers zu
begleiten.
    Ein Doktorhut hat das Gute an sich, dass man ihn, sei es einer hübschen
Dormeuse gegenüber, in dem Kränzchen einer lustigen Gesellschaft, oder in dem
Zirkel der großen Welt, kurz, bei allen Gelegenheiten, wo er uns hindert,
ablegen kann, wie jeden andern gewöhnlichen Hut. Er bleibt deswegen doch unser,
samt seinen Ansprüchen, und wir finden ihn gewiss unter allen den feinen und
groben Hüten wieder heraus, die sich unterdes über und neben ihn herwarfen. So
habe auch ich den meinen glücklich nach Hause gebracht, ohne ihn zu verwechseln,
und, da ich ihn schwerlich heute wieder aufsetzen werde, abgestäubt und an den
Nagel gehängt. Was sollte er mir jetzt? Er würde die Figur doch nicht sonderlich
heben, die ich jetzt in meinem Lehnstuhle mache, so wenig als die Trägheit
verscheuchen, die mich allein abhält, Dir die herrlichen Gerichte alle
aufzuzählen, denen ich sie verdanke.
    Ich habe fünf üppige Stunden verbraucht, um eine Menge neue Bekanntschaften
- nicht unter den anwesenden Gästen - sondern unter den Konsumtibilien zu
machen; denn gute Gesellschaften sehen sich an jedem großen Ort einander gleich,
aber nicht ihre Schüsseln. Der Erziehungskunst, so hoch man sie auch überall
getrieben hat, misslingt ihre Bemühung nur gar zu oft. Sie putzt und spickt und
salzt das Wildpret, das sie behandelt, nach verschiedenen Metoden, und bringt
doch am Ende nur ein verkünsteltes Gericht, oder höchstens ein Schauessen
zuwege, das unter jedem Himmelsstrich einerlei Farbe hat. Sie versteht lange
nicht so gut der Natur nachzuhelfen, als ihre ältere Schwester, die Kochkunst,
die immer das Eigentümliche jedes Landes mit der allgemeinen Erfahrung so
geschickt zu verbinden weiß, dass jedes Gemüse seinen gehörigen Zusatz, jeder
Fisch seine rechte Brühe erhält, und sie unterscheidet viel klüger als jene,
welches Stück sie mortificiren, welches sie dämpfen soll - wie viel Wasser
jenes, wie viel dieses Feuer bedarf, um gar zu werden, und weist jedem seinen
eigenen Topf an.
    Da ich indes
