 bitte Dich,
an dem Scheidewege einer Sängerin? Ich wollte nur, dachte ich, dass der Propst da
wäre, um ihm das Lächerliche und Unschickliche davon begreiflich zu machen. Doch
bin ich denn nicht sicher genug dass er herkommt? Gut! so will ich ihm denn einen
Beweis ziehen, der ihm so stark in die Augen leuchten soll, dass sie ihm
übergehen. Die Gelegenheit war wirklich zu schön! Denn so gewöhnlich es auch
ist, seinen Gegner an einen dritten Ort zu bestellen, so konnte doch zu der
stillen Rache, die ich an dem meinigen zu nehmen gedachte, wohl schwerlich einer
besser gelegen sein, als die einsame Gegend seines täglichen Besuchs, die seine
vertrauteste Freundin durch einen Zusammenfluss glücklicher und unglücklicher
Zufälle mir selbst zu verraten genötigt wurde. - Und so malte ich denn dem
guten Mädchen, ohne dass sie auch diesmal so wenig erfuhr, was auf ihrer
Grundfläche vorging, als sie die feine Verbindung meiner guten Absichten mit
meiner schlechten Arbeit argwöhnen konnte - Etwas - das sich ungleich besser für
ihre Umstände schickte; malte ihr statt des heiligen Kreuzes, das sie erwartete,
mit allem Ausdrucke der Wahrheit, ein Bild, das auf einen flüchtigen Blick jener
Figur nicht ganz unähnlich war - kurz, ich malte ihr nichts mehr und nichts
weniger als - was denkst Du wohl Eduard? als einen - Stimmhammer.
    Wir waren beide, obgleich aus verschiedenen Gründen, mit dem guten Fortgange
der Wiederherstellung so zufrieden, dass wir noch, während das Gemälde
abtrocknete, die freundlichsten Blicke mit einander wechselten. Stelle Dir aber
mein Erstaunen - stelle Dir ... nein Du kannst es nicht - mein Erschrecken und
ihre Verzweifelung vor, als ihr Aufstehen vom Sopha ihr nur zu fühlbar
entdeckte, dass ich während meiner Arbeit - wo muss ich die Augen gehabt haben? -
den ganzen Rest der geweihten Farbe, der wenigstens noch zu hundert Kreuzen
hinlänglich gewesen wäre, verschüttet - das feinste Linnen, das man sich denken
kann, verdorben, und selbst den Kniegürtel der unbefleckten Jungfrau ein wenig
befleckt hatte. Alle die entsetzlichen Folgen meiner Ungeschicklichkeit, ob ich
sie gleich nicht so geschwind übersehen und so genau berechnen konnte als
Klärchen, traten mir doch lebhaft genug unter die Augen, um mich aus meiner
Fassung zu bringen. Ich hatte kaum das Herz nach dem armen Kinde in die Höhe zu
blicken, das, durch diesen Unfall ganz niedergedrückt, seinen vorigen Heroismus
unwiederbringlich verlor. Sie schlug die Hände über den Kopf zusammen, lehnte
sich hinfällig an die Wand, vergoss in der Geschwindigkeit mehr Tränen, als
letzthin von der heiligen Magdalena versteigert wurden, und stürzte sich
endlich, wie ohnmächtig, auf den Sopha zurück. - »Liebes, bestes Klärchen,« rief
ich
