 wegen
Irrgläubigkeit, Verweise aus dem Konsistorio, wohl gar Vorbeschiede vor den
hochpreislichen Kirchenrat. - - Doch dieses alles sind Dinge, die eigentlich
nicht hieher gehören, und es sei euch genug, dass ich euch versichern kann, auch
für diese Kränkungen habe mein guter Mut immer Linderung ausfindig gemacht,
obgleich mein Herz insgemein oft so stark blutete, als das Herz meines guten
Vaters.
    Ich wuchs heran, und ward ein schönes schlankes blühendes Mädchen, an
Gestalt, dir Jukunde, und an Gesicht der seligen Leutenantin von W.., oder wie
ich sie lieber nenne, meinem Hannchen, fast gleich. Julchen dort, die sich auf
die kleinen weißen Händchen, und den niedlichen flüchtigen Fuß so viel zu gute
tut, ist in diesem Teil der Schönheit, das wahre Ebenbild ihrer Mutter, und du
Feuerkopf, Albert, wenn die Schmeichler meiner Zeit die Wahrheit redeten, so ist
dein Witz, deine Lebhaftigkeit das Erbteil - doch nichts weiter hiervon, ich
wollte erzählen.
    So von der Natur ausgestattet, wie würde mich die Kunst ausgebildet, oder
wie würde sie mich vielleicht verderbt haben! sie hatte keinen Teil an meiner
Erziehung; ich ward und blieb, wozu mich mein Schicksal bestimmt zu haben
schien, ein einfältiges kunstloses Landmädchen, voll von allen Vorurteilen die
meinem Stande eigen sind, und unbekannt mit allen Torheiten der Städterinnen.
    Mein Vater bekam jetzt fleißiger Besuche als vordem; Söhne von alten
Bekannten, deren Namen er sich nicht mehr erinnern konnte, kamen um die
Freundschaft ihrer Väter zu erneuern, und an jedem Sonntage hatte er die Wahl
unter zween bis drei Kandidaten, welche sich erboten ihm sein beschwerliches
Amt, wie sie es nannten, zu erleichtern. Mein Vater nährte seine Heerde lieber
selbst mit der gesunden Speise, an die er sie gewöhnt hatte, als mit dem
gekünstelten meistens ungeniessbaren Gemengsel, das die jungen Herren aus der
Stadt aufzutischen pflegten. Überdieses öffneten einige Begebenheiten, welche
nicht hieher gehören, ihm und mir die Augen, dass diese dienstfertigen Jünger
weniger um seinetwillen kamen, als um die Gesellschaft seiner Tochter zu
genießen, die sie zur Dankbarkeit mit dem Namen des schönen Hannchens beehrten.
    Der gute Ruf eines Landmädchens ist von empfindlicherer Natur als die Ehre
der Städterinnen. Ich begehrte nirgends als in meines Vaters Hause genannt zu
werden. Ich kam von dieser Zeit an wenig mehr zum Vorschein, wenn Fremde aus der
Stadt gegenwärtig waren. Die Besucher verloren sich, und mein Vater konnte
ungehindert sein Amt, ohne aufgedrungene Gehülfen, verwalten.
    Manches Jahr vergieng auf diese Art. Mein Vater, welcher viel auf
frühzeitige Verheiratungen hielt, und mich mit sehr parteiischen Augen ansah,
wunderte sich, dass ein Mädchen meiner Art, das achtzehnte Jahr - das längste
Ziel
