 ich es recht bedenke, fast alle noch zu klein, um so viel von ihnen
sagen zu können, als von ihrem Bruder. Meine älteste Tochter Ninnchen zwar, oder
Ninon, wie ihr eitler Vater ihren christlichen Namen verdrehte, zeigte
frühzeitig was sie werden wollte, ein kleines eitles Ding, der man es zu oft
hören ließ, dass sie unter ihren Schwestern die Schönste sei.
    Hannchen und ihr Zwillingsbruder, Albert, waren, zörnet nicht, meine andern
Kindern, waren allemal nächst Samuel meine Lieblinge, und es kostet mich viel,
bei ihrer Beschreibung kürzer zu sein, als bei ihrem Bruder. Wie viel hätte sich
schon in ihrer damaligen Kindheit, - beide waren etwa sieben oder acht Jahr, von
ihnen sagen lassen! Wie viel Dinge, aus welchen sich die nachmalige Entwickelung
ihrer Charaktere und ihrer Schicksale hätte schließen lassen! - Beide hatten in
ihren Gesinnungen etwas ähnliches, so wie ihnen die Natur eine wundervolle
Gleichheit in der Bildung verliehen hatte. Beide besaßen tiefe innige Gefühle,
nur dass sie bei Alberten wegen seines Leichtsinns vorübergehender und bei
Hannchen wegen eines gewissen Hangs zu stiller schweigender Schwermut
dauernder, dauernd bis zum Tode waren.
    Beide waren schön, besonders Hannchen. - Wird es mir erlaubt sein, sie hier
zum zweitenmal mein Ebenbild zu nennen? - Die kleine Eitelkeit von ihren vorigen
Reizen zu sprechen, ist der Matrone ja wohl so leicht zu verzeihen, als der
Stolz auf vergangene Siege dem alternden Helden?
    Jukunde war von dem ersten Augenblick an, da das Mädchen zeigt, auf welche
Seite sie sich neigen will, ein leichtsinniges, freches, verdachtloses Geschöpf,
vorwitzig bis zum Übermaas, und gutherzig bis zur Torheit, schön, wie dem
Himmel sei Dank die meisten meiner Kinder, und auch in Ansehung des Verstandes
nicht von der Natur vernachlässigt; aber viel zu flatterhaft, ihn auszubilden,
viel zu sehr mit sich selbst zufrieden, um sich Talente zu erwerben. Gewiss zu
gefallen, hatte sie Mut genug, sich mit ihren geringen Geschicklichkeiten vor
Meistern zu zeigen, und sonderbar war es, dass niemand es wagte, sie zu
beschämen. Schon in ihrer Kindheit, wenn ich zu ihr sagte, Cundchen, erzähle die
Geschichte von dem guten Kinde, oder singe das Lied von den drei Mädchen im
Walde, so trat sie vor die größte Gesellschaft hin, und sang und erzehlte, ohne
sich durch Lob oder Tadel irre machen zu lassen.
    Nicht so Amalie. Ihr wisst, meine Lieben, Amalie war nicht schön. Von jeher
schien ihre Gestalt einige Jahre jünger, und ihr Gesicht ein gutes Teil älter
zu sein als das ganze Mädchen. Sie wusste dieses, und ein gewisses stilles
bescheidenes Wesen, nebst einem unablässigen Bestreben, sich auf andere
