 wir lebten beide beim Theater, und
fanden unser reichliches Auskommen. Vollkommen wär unser Glück gewesen, wenn ich
der Bühne nicht allein mit meiner Feder hätte dienen können. Uns fehlte eine
zweite Liebhaberinn, ich versuchte es aufzutreten; meine Action und meine Stimme
war, wie jedermann gestand, ohne Tadel, aber meine Person fand keinen Beifall.
Meine Eitekeit ward gekränkt, aber ich wusste mich zu beruhigen. Mein Mann und
ich hatten von der Abreise meines Vaters gehört; Jucunde war nach derselben noch
in Berlin gesehen worden, ich war ihrentwegen in Sorge. Feldner kannte ihre
Talente, der Direktor der Gesellschaft kannte ihre Person und versprach sich von
ihrer Erscheinung Vorteil. Wir kundschafteten ihren Aufenthalt aus, und ich
ward abgeschickt, sie in unsern fröhlichen Kreis einzuladen.
    Jucunde nahm unsere Vorschläge an, sie verlies die Wohnung des Elends, und
die mühsame Handarbeit, die sie kümmerlich nährte. Fast ohne allen Unterricht
betrat sie die Bühne, sie schien für dieselbe geboren zu sein. Was ihr an
Übung fehlte, ersetzte ihre Schönheit, und nie hatte unser Haus häufigern
Zulauf, als wenn man gewiss war sie erscheinen zu sehen. Sie entzückte das
Publikum als Franziska, und wenn sie im Westindier als - -
    Hier unterbrach ich Amalien; sie sprach mir in zu hohem Tone vom Theater,
ich konnte es nicht leiden, wenn man diesen Dingen das Ansehen von Wichtigkeit
gab. Das Lob, das sie Juncunden beilegte, durchbohrte mir das Herz. Es war
schlimm genug, dass ich selbst gestehen musste, dass meine arme Jucunde damals fast
keinen andern Weg zu ihrem Fortkommen vor sich hatte, als diesen. Hör auf,
sprach ich zu Amalien, und lass deine Schwester weiter reden.
    Die Lobeserhebungen, fing Jucunde von neuem an, welche mir meine Schwester
beilegt, sind parteiisch. Man fand mich nur so lange erträglich als ich neu
war. Niedrige List und Kabale raubte mir den Beifall, auf den ich noch
allenfalls hätte Anspruch machen können. Man ließ mich nur in solchen Rollen
auftreten, denen ich nicht gewachsen war. Unter dem Vorwande mich zu erheben,
gab man mir hohe tragische Rollen, in welchen ich ausgeklascht ward, da ich
hingegen als Soubrette, oder komische Liebhaberinn, ganz in meinem Fach und des
allgemeinen Beifalls sicher war. Der Neid meiner Gespielinnen verfolgte mich auf
noch empfindlichere Art: man fing an meiner Schwester in den Kopf zu setzen,
dass der Herr Feldner seine ehemalige Liebe zu mir wieder hervorsuchte und - und
- kurz es war nichts an der Sache, und wenn es auch so gewesen wär - so hätte
Amalie auf meine Redlichkeit rechnen könne.
    Jucundens Stocken, und Amaliens tiefgeholter Seufzer bei dieser Stelle,
belehrte mich was ich zu glauben hatte. Ich
