 - - Er
fuhr fort:
    Meine Schwestern fanden Berlin ganz anders, als sie sich vorgestellt hatten.
Sie hatten gehoft, hier außerordentlich bemerkt und bewundert zu werden, und sie
erstaunten, dass sie ganz übersehen oder mit gleichgültigen Blicke angestarrt
wurden. Sie hatten gehoft, in den besten Gesellschaften Zutritt zu finden, aber
mein Vater hatte keine Bekanntschaft als unter Spielern, und das einige
Frauenzimmer, dessen Umgangs sie sich rühmen konnten, war unsere Wirtin, eine
vornehm gekleidete Person von schlechtem Stand und Sitten. Ich hatte es bisher
nach Möglichkeit gehindert, dass sie sich nicht mit ihr öffentlich sehen lassen
möchten, ich hatte auch die Robignac von ihnen zu entfernen gesucht, wenn ich
sie ausführen musste, denn die seltsamen Arten dieser Person, zusammen genommen
mit Jucundens Leichtsinn, und herum wandernden Augen, und Amaliens
zuvorkommender Freundlichkeit gaben ein sehr verdächtiges Ansehen. Man wusste
ohnedem nicht recht, was man aus ihnen machen sollte; ihren Vater kannte man auf
keine andere Art, als nach dem Geschäfte, das er in Berlin trieb; der Oberste
und Herr Feldner, der eine auch ein Spieler, und der andere ein schöner Geist,
ich, ein Jüngling, dessen Name während seines ganzen Aufenthalts in dieser
Stadt, nie anders als unter jungen Leuten von der leichtsinnigsten Art und am
Spieltische gehört worden war, welcher von uns allen war im Stande ihrer
Erscheinung in der Welt ein vorteilhaftes Ansehen zu geben!
    Und doch war meine Gesellschaft ihnen immer noch die zuträglichste; meine
Lehren dienten wenigstens dazu, so lange ich bei ihnen war, ihre
Unvorsichtigkeit ein wenig im Zaume zu halten, und da man wusste, dass ich Mut
hatte, so wagten die jungen Abenteuer, die etwa Jucundens Gesicht neu und für
ein Landmächen artig genug fanden, es in meiner Gegenwart nicht so leicht, sich
ihr zu nähern.
    Ich weis nicht, was für Ursachen der Oberste haben mochte, meine Wachsamkeit
für meine Schwestern ungern zu sehen, ob er vielleicht gesonnen war, aus ihrer
Gegenwart in Berlin sowohl seinen Vorteil zu ziehen, als ehemals aus der
meinigen; genug er machte mein beständiges Bestreben ihrer zu hüten lächerlich,
und als er sah, dass dieses nicht hinlänglich war mich von ihnen zu entfernen, so
legte er meiner Schwachheit Fallstricke, welche nur gar zu würksam waren, und
mich auf einmal in einen Strudel von Zerstreuungen rissen, die mir nicht
erlaubten an etwas anders zu denken, als an mich selbst.
    Albert stockte hier ein wenig, und ich, besorgt er möchte nicht ganz
aufrichtig gegen mich sein, fasste seine Hand und bat ihn mit einer Miene, in
welcher völlige Verzeihung desjenigen lag, was ich erfahren sollte, mir nichts
zu verschweigen, sondern zu bedenken, dass er mit einer
