 oder gesagt, waren fähig, sie, der solche
Süßigkeiten etwas seltenes waren, so zu betäuben, dass sie nichts davon hörte,
wenn Feldner und Jucunde den ganzen Io amo mit einander conjugirten.
    Du erzehlst mir erfreuliche Dinge, fiel ich hier Alberten in die Rede. Er
seufzte und fuhr fort.
    Was mich anbelangt, so einfältig ich auch in manchen Stücken noch immer war,
so hatte mich doch der Lauf meiner ehemaligen Vergnügungen klug genug gemacht,
keine sonderliche Freude an Feldners Umgang mit meiner Schwester zu haben. Was
mich noch einigermaßen ihrentwegen beruhigte, war ihre Flatterhaftigkeit, die
sie eines festen Eindrucks unfähig machte, Feldners geringe persönliche
Annehmlichkeiten, und Amaliens wachendes Auge.
    Amalie hatte Feldnern in ganzem Ernst in ihre Zuneigung genommen; sie
fühlte, dass sie ihn nicht durch ihre Reize fesseln konnte, und sie hoffte ihn
durch ihre geistigen Vorzüge zu erobern. Ihr Fleis war unermüdet; alles was
Feldner Jucunden lehrte, das begriff sie, indessen jene, mit welcher sich ihr
Lehrer unendliche Mühe gab, viel zu leichtsinnig war, etwas länger als einen Tag
zu behalten. Jucundens Flatterhaftigkeit, Feldners Parteilichkeit und Amaliens
Eifersucht, zerstörten bald diese Lehrstunden, welche anfiengen mir so anstößig
zu werden, und Auftritte von anderer Art taten sich hervor.
    Meine Schwestern liebten es außerordentlich, sich überall zu zeigen, und ich
musste ihr Führer sein, wenn ich nicht Feldnern diese Stelle überlassen wollte,
welches ich, so sehr er auch danach strebte, aus vielen Ursachen ungern getan
haben würde. -
    Was konnten ein paar Mädchen, die in der Einsamkeit erzogen waren, und die
gar nichts davon wussten, wie man sich in einer Stadt wie Berlin mit Behutsamkeit
aufführen musste, ohne einen verständigen Führer für seltsame Abenteuer haben!
ob ein Mensch von meinem Alter und meiner wenigen Erfahrung dieses sein konnte,
will ich nicht entscheiden, aber so viel weis ich, es fehlte mir weder an Mut
noch an Willen sie zu schützen, dahingegen Feldnern vielleicht beides mangelte,
und wenigstens die eine von den beiden Mädchens wider ihn selbst Schutz
vonnöten hatte.
 
                                Zweites Kapitel
                       Fortsetzung von Alberts Geschichte
Ein kleines Lächeln von meiner Seite unterbrach hier Alberts Rede. So wenig mir
auch die Dinge anstunden, welche er vorbrachte, so konnte ich doch nicht
unterlassen es belächelnswert zu finden, dass der unvorsichtige Jüngling, der es
so wenig verstand, einen guten Weg für sich selbst zu wählen, so eifersüchtig
auf die Ehre seiner Schwestern war, und sich das Ansehen eines Vaters gab, wenn
er von ihnen sprach. Er befragte mich um die Ursach meines Lachens, meine
Antwort beschämte ihn ein wenig, aber er versicherte mich, ich würde in der
Folge finden, dass seine Sorgen nicht unnütz und überlei gewesen wären.
