 Die Leute sagen zwar, dass die
Direktrise es so haben will; dass sie ihm so gar erste Liebhaber-Rollen
aufdringt. - Warum? - Vermutlich weil ihr an seiner Seite die ersten
Liebhaberinnen am bessten gelingen. - Es kam mir selbst wunderlich vor, dass
Tänzer H... bei dieser Gesellschaft zum ersten Liebhaber ist erhöht worden. -
Aber warum soll ich ihm denn die Freude nicht gönnen, sich bewundern zu lassen,
jede Rolle zu affektieren, zu kastrieren oder gar zu verhunzen? - Er verfehlt
freilich den Weg zur lieben Natur, spricht kein einziges Wort, welches nicht aus
seinem Mund gestottert, herausgeplazt, oder gepredigt kommt. - Aber was tut das
zur Sache? - So überspannt, affektiert sein Spiel auch immer ist, so besizt der
Bursche doch gut gewachsene Knochen, mit denen die Frau Direktrise aus Eitelkeit
vor dem Publikum Wind macht. - Zuweilen wandelt dem Helden so gar die Lust an,
seine Gebärden für Anstand auszuschreien, was doch weiter nichts als
Tänzer-Posituren und Verdrehungen des Körpers sind. - Sein eingebogener Rükken
sieht einem krummgewachsenen Baume ähnlich, der seiner Seltenheit wegen
Jedermann zur Bewunderung einladet. - Wenn doch der geschraubte Gekke in seinem
Wesen nur der Natur den Lauf ließe, er würde wahrlich unter den Damen weit mehr
Eroberungen machen, worauf er es eigentlich zum Leidwesen seiner ersten
Liebhaberin anträgt. -
    Nun kommt Herr P.... zum Vorschein; - ein ganz artiger junger Mann, der
ehedessen auch das Glük genoss, sich nach Gutdünken und mit Bewilligung der
gutherzigen Frau Direktrise Rollen zu wählen, aber nun, seitdem Ritter H... zum
Vorschein kam, mit lauter Nebenrollen vorlieb nehmen muss. Sein Theater-Talent
ist nicht uneben: Obgleich ein Bischen leichtsinnig im Memoriren, besizt er
dennoch die Kunst, seine Liebhaber-Rollen mit einem sanftschleichenden Wesen
vorzustellen. Zu Affekt-Rollen ist seine Brust zu schwach. -
    Dann haben wir noch einen gewissen H... n; - auch ein junger Schauspieler,
der sehr schmelzende Organen hat; - nur fehlt es ihm an gehöriger guter
Anleitung, besserer Rollen-Einsicht, mehrerem Feuer und Dreistigkeit, sonst
könnte er einstens ein braver Schauspieler werden.
    Auch Herr R.... spielt bisweilen beim hiesigen Theater einige
Liebhaber-Rollen, hat Anstand, Teaterspiel, aber zu viel singende Töne in
seiner Deklamazion, besonders im Tragischen. - Wenn er sich daran gewöhnte, im
Sprechen die Zähne besser von einander zu tun, dann würde seine Aussprache
männlicher ausfallen, und in seinen Helden-Rollen nicht den süßen, tändelnden
Stuzzer verraten. - Diesem Schauspieler wünsche ich zu seinen Kenntnissen
mehrere Vollkommenheit der Stimme. -
    Endlich zum Hauptschauspieler, Herrn N.
