 die Lust ankömmt, dem Publikum auf ein Vierteljahr
lang Ekkel einzujagen. - Sie will Soubretten spielen; kleidet sich in kurze
Rökke, wie eine Kolombine; spricht baierisch bis zum Übelwerden, und treibt auf
der Bühne so pöbelhafte Streiche, wie ein wahres ausgeschämtes Alltags-Mensch. -
Leztin hätte sie das unwillige Publikum bald in der Rolle der Barbara, in dem
Stükke: Glük bessert Torheit, mit Pfeifen zu Hause geschikt. -
    Ferner darf ich auch die andre Tänzerin, Madame Ma..., nicht vergessen; sie
ist eine gute Tänzerin - aber eine blutschlechte Schauspielerin. Ob sie
gleichwohl die Raserei besizt, um Rollen zu buhlen. - Ihr männliches Wesen, ihre
Bassstimme, die mit widrigen, durch die Nase laufenden Tönen bis zur
Abscheulichkeit akkompagnirt wird - machen aus ihr in jeder ernstaften Rolle
die lächerrlichste Karrikatur. -
    Endlich ist noch da Madame F...., welche nur spielen muss, was die andern
nicht spielen wollen - und folglich keiner Foderung entsprechen kann. -
    Hier hast Du nun die leibhafte Schilderung unserer Schauspielerinnen. - Da
ich diesen Stand bald zu verlassen gedenke, so kann sie an keine Parteilichkeit
gränzen - und ich getraue mir, sie vor jedem Theater-Kenner zu verteidigen. -
    
                                                                   Deine Amalie.
 
                                  CXLII. Brief
                                   An Amalie
Beruhige Dich, Teuerste, es ist weder Karln noch mir ein Unglück zugestoßen; -
ich bin ihm mit meinem Bruder entgegen gefahren; dies war die Ursache meines
Stillschweigens. - Nun ist er wieder an meiner Seite, der edle Jüngling! - Denke
Dir die Seligkeiten unserer Wiedervereinigung; fühle sie, Malchen - denn
beschreiben kann ich sie nicht! -
    Doch izt zur Beantwortung deiner Briefe: - Ist es möglich, meine Liebste,
dass man den ehrlichen Direktor N..., dessen Verdienste bekannt sind, dass man
diesem Biedermann in W... so begegnen konnte? - Dass doch in der Welt so viel
Unheil bloß von den Weibern herrühren muss! - Besonders in kleinen Städten
treiben sie jede lasterhafte Torheit, um ihre Nebenmenschen zu unterdrükken.
Wie gerne hätte ich Dich länger unter der Führung dieses gutgesinnten Direktors
gesehen, wenn es das Schicksal gewollt hätte! -
    Direktor K... ist gewiss der Mann nicht, der Dich wird zu schäzzen wissen. -
Er hat samt seiner Gesellschaft einen sehr übelen Ruf, spielte ehedessen in
österreichischen Landen in hölzernen Buden, gab Zoten-Stükke, Hanswurstiaden,
und überhaupt niedriges Possenspiel. Der größte Beweis seines unmoralischen
Karakters ist die Duldung, womit er seinem Weibe alle Zügellosigkeiten erlaubt -
und anderen verschrieenen Schauspielern Brod gibt. -
    E..., samt ihrer lüderlichen Schwester B..., sind schon wegen ihrer
niederträchtigen Aufführung in einer
