 mich noch deine Streiche zermalmen. - -
                                                                         Amalie.
 
                                 CXXXII. Brief
                                    An Fanny
                               Liebste, Besste! -
Dass die Gesellschaft, unter der ich mich gegenwärtig befinde, unter einer
schlechten Direktion steht, wirst Du aus dem Gespräch mit dem Direktor
geschlossen haben. - Übrigens ist sie zahlreich, aber darbend an guten
Schauspielerinnen. - Die Männer zeigen mehr Talent als die Weiber, und M....
spielt unter ihnen die lokkern Burschen-Rollen am bessten. - Dass mich das
Publikum gut aufnahm, kannst Du leicht vermuten. - Der Direktor scheut sich
izt, mich mit offenem Blikke anzusehen. - O Gewissen! wie beredt ist deine
Stimme! - Sein Weibchen ist mir sehr gut, und ihn quält vermutlich die Furcht
an sie verraten zu werden. - Er muss sein unbesonnenes Betragen izt besser
überdacht haben. In dieser Rüksicht hätte ich also nicht Anlass über seine
Verfolgungen zu klagen. Aber sonst will mir die ganze Einrichtung nicht
gefallen. - Es ist gar zu ärgerlich, wenn so wenig gute Schauspielerinnen bei
einer Gesellschaft sind! - Man wird zu sehr mit Arbeit überhäuft, und dadurch
entgeht dann einer Schauspielerin die Gelegenheit, mit einer andern in die Wette
zu spielen. -
    Madame M.... spielt mit vieler Lebhaftigkeit Kammermädchen, listige
Bauermädchen, lose Fräuleins, u. dgl. Ihr Wuchs schikt sich ganz vortrefflich
dazu. - Sie würde in diesen Rollen mehr als mittelmäßige Schauspielerin werden,
wenn ihr Ton, ihr Wesen, ihr Gang nicht zu sehr ins Niedrig-Komische fielen. -
Sie lässt die ausgelassne Dirne zu auffallend hervorblikken, und trift so selten
zwischen zügelloser Wildheit und naivem Mutwillen die Mittelstrasse. -
    Madame K.... spielt ihre unschuldig leidenden Mädchen auch nicht ganz übel.
- Aber gar zu oft nur kalt und flüchtig. - Sie arbeitet mehr aus Handwerk, als
aus Lust, - und karakterisirt unter fünf Rollen kaum eine. Ihre Empfindung
stünde ihr ziemlich zu Gebote, aber leider, wie so viele Schauspielerinnen,
besizt sie einen zu leeren Kopf, um diese Empfindungen während des Spiels zu
benüzzen. - Die Rollen, die ihr geraten, - geraten ihr mehr aus Zufall und
Theater-Festigkeit.
    Madame L... g ist die elendeste Schauspielerin unter der Sonne! - Ich
begreife nicht, wie die Frau die Frechheit haben konnte, auf mehreren großen
Teatern zu debutiren. Doch Ungeschiklichkeit ist immer am kühnsten, weil sie
die Schwierigkeit der Kunst nicht einsieht. - Zu Liebhaberinnen wäre ihre Figur
ganz artig, aber außer dieser ist sie auf der Bühne ein bloser Kloz. Ihr
schwäbischer Dialekt, ihre falschen Töne, ihre unsinnigen, kauderwelschen,
verdrehten Worte, die ihr der Menge nach entfahren, machen sie
