 Gleichgewicht zu halten. - Der unerträglichste
Ahnenstolz verrükt das kranke Gehirn so vieler deutschen Damen, die sich aus
Mangel an eigenem Verdienste durch dieses Unding allein wichtig machen müssen.
Geburt ohne Philosophie ist ein Geschenk, das so gerne durch Hochmut bis zur
Unmenschlichkeit ausartet; denn wie oft vergessen nicht die Adelichen die Stimme
des Mitleidens gegen ihre Untergebenen? - Wenn das Andenken verdienstvoller
Voreltern unter den Söhnen zur Aufmunterung fortgepflanzt werden kann, so geht
es doch die Töchter nichts an. Ihre ganzen Heldentaten bestehen, wie die der
Bürgerin, im Heiraten, Kindergebähren und Sterben. Sind das nicht Törinnen,
die mit entlehntem Verdienste prahlen wollen? - Herablassung! - Herablassung,
meine adelichen Damen, ruft ihnen der gesunde Menschenverstand zu! - Blos
Geistesvorzug, Talenten, Menschenfreundlichkeit und edles Herz werden sie
wahrhaft in aller Welt Augen adeln; alles übrige ist Eigensinn, Eitelkeit oder
Hirngespinst. - -
    Doch lass uns izt auch noch ein Bischen die unterscheidenden Vorzüge der
jungen Kavaliers untersuchen: - So simpel, gutherzig und albern die Venezianer
auch immer sein mögen, so sind sie doch gewiss erträglicher, als unsre
spöttischen, dummdreisten, naseweisen Stuzzerchen, die mit boshaftem Herzen in
Gesellschaften ihren geborgten französischen Wiz auskramen. - So ein gereister
Zieraffe hat Dreistigkeit genug, das ehrwürdige Alter eines biederen Mannes
lächerlich zu machen. - Ihre geistlichen Hofmeister, die sie meistenteils
begleiten, lassen über der Neuheit der großen Welt das Herz ihrer Zöglinge aus
der Acht, und genießen mit ihnen die Süßigkeiten der Schwelgerei. - Übles
Beispiel, unerfahrne Hofmeister und Überfluss verderben auf Reisen so viele
junge Leute. Flatterhaftigkeit, Laster, Galanterie-Krankheiten, Weichlichkeit,
sind fast immer die Früchten ihrer Reisen. Nur selten kehrt ein junger Edelmann
aufgeklärt, als wahrer Patriot und mutiger Held zurück. - Das ganze Verdienst
dieser verwöhnten Muttersöhnchen besteht in der Windbeutelei und französischem
Unsinn. - Diese wollüstigen Gekken verstehen die allerliebste Kunst, den Damen
Strumpfbänder zu knüpfen, wohlriechende Wasser zu versprüzzen und mit
Herzhaftigkeit eine Fliege tot zu schlagen, wenn sie es wagt auf eine
hochadeliche Nase zu sizzen. - Der Kriegsdienst, dem sich unsere Edelleute
wiedmen, macht sie gar zu oft brutal und unverschämt. - Wie oft wird ihr
stumpfes, verdorbnes Gefühl von den bessern Empfindungen eines gemeinen Soldaten
übertroffen! - Unschuldige Mädchen verführen, den guten Namen ehrlicher Weiber
verschreien, sich mit Gassennimphen beschmuzzen, Schulden machen, Bürger
prügeln, ist alsdann die Beschäftigung, die sie in der Uniform in voller Übung
treiben. - So roh unsre alten Deutschen auch immer waren, so hielten sie doch
auf Zucht und Ehre, und befolgten als Biedermänner strenge ihre Gesezze, die
nach ihren Begriffen gut waren. - Aber izt, meine Freundin, ist alte Redlichkeit
in Staub
