
beiden Frauen, die mit den Händen zeigen, sind die schönsten, und der dritte
daneben hat einen wunderbaren Ausdruck. Julius schaut voll Majestät, als ob
seine Befehle gut ausgeführt würden.
    Der Hohepriester in der Mitte am Altar bittet voll Zuversicht in Ergebung.
Der Bube, welcher auf den Säulenfuss steigt, um recht zuzuschauen, ist sehr
pittoresk, wie überhaupt alles samt der Beleuchtung.
    Dies Gemälde gehört gewiss zu dem Vortrefflichsten, was Raffael
hervorgebracht hat; und zu der Zeit, wo soeben erst die Franzosen von Italien
hinausgetrieben waren, muss es jedermann innig ergötzt haben. Man sieht
inzwischen deutlich, dass ihm seine Schüler an den Nebensachen halfen. Es ist ein
ungeheurer Unterschied, wenn man Raffaelen nach den meisten gegenwärtigen Malern
sieht; bei ihm lebt alles und bedeutet, und greift ein ins Ganze. Man kommt bei
ihm einmal wieder zu einem verständigen Menschen.
    Damit Du aber siehst, dass ich doch nicht schwärme, so meld ich Dir dagegen,
dass der bewunderte Attila gegenüber auf mich wenig Wirkung macht. Ich finde
darin kein recht zusammenhängend Ganzes in der wirklichen Malerei und den
Charaktern, obgleich die Anlage trefflich ist, und zuviel Kompliment auf Leo den
Zehnten, dessen Kopf sich wahrlich zu keiner solchen Szene schickt. Attila sieht
viel zu gütig aus für einen Hunnenkönig, ohnerachtet der ungefühlten Worte von
Griechenheit darüber, und Leo zu feist für einen Heiligen. Die Apostel sind zu
schwer, zu groß und zu nah in der Luft für schwebende Figuren, haben wenig
Gestalt und bitten eher, als dass sie drohen sollten, und halten ihre Schwerter
wie die Weiber.
    Nichtsdestoweniger bleibt das Gemälde mit den Porträten, Pferden und
verschiedenen Gewändern eine reizende Wandverzierung für einen geistlichen
Fürsten, und es ist darin immer mehr natürliche Gestalt für Verstand und Auge
als vielleicht in hundert neueren.
    Das Wunder bei der Messe ergötzt besonders wegen Einheit und
Mannigfaltigkeit des Ausdrucks durch alle die verschiedenen Gesichter, die
meistens Porträte sind, und zeigt so recht Raffaels wunderbare Einbildungskraft.
Es ist der lebendige Glaube. Der überführte Priester, mit den Augen kaum
blinzend und voll Beschämung und Erstaunen in den Lippen, und Julius der Papst
sind hohe Meisterstücke. Das Ganze ist am besten gemalt unter allen.
    Petrus, befreit aus dem Gefängnisse, ist ein angenehmes Spiel von Licht und
Schatten, wozu jedoch kein Raffael gehörte, und das Ganze gut entworfen, der
erschrockne Soldat auf der Treppe meisterlich.
    In diesem Zimmer merkt man schon, dass Raffael seine Schüler bei seinen
Arbeiten brauchte; aber noch weit mehr in dem dritten, hintersten, wo das meiste
von diesen ist.
    Der Burgbrand ist hier das Vorzüglichste. Viele Gestalten sind darin
vortrefflich, nur war die Szene selbst eher ein Vorwurf für den Tizian oder
Korreggio.
