 öffentlich reden zu können, indem er die Katechismusfragen des
Pastors mit lauter und vernehmlicher Stimme beantwortete, wobei er sich denn
sehr von den übrigen unterschied, indem er richtig akzentuierte, da jene ihre
Antworten in dem gewöhnlichen singenden Ton der Schulknaben herbeteten.
    Nach geendigter Kinderlehre winkte ihn der Pastor Marquard beiseite und
entbot ihn auf den andern Morgen zu sich - welch eine freudige Unruhe
bemächtigte sich nun auf einmal seiner Gedanken, da es schien, als ob sich
irgendein Mensch einmal näher um ihn bekümmern wollte - denn damit schmeichelte
er sich nun freilich, dass der Pastor Marquard durch seine Antworten aufmerksam
auf ihn geworden sei; und er nahm sich nun auch vor, Zutrauen zu diesem Manne zu
fassen und ihm alle seine Wünsche zu entdecken.
    Als er nach einer fast schlaflosen Nacht den andern Morgen zu dem Pastor
Marquard kam, fragte ihn dieser zuerst, was für einer Lebensart er sich zu
widmen dächte, und bahnte ihm also den Weg zu dem, was er schon selbst
vorzubringen im Sinn hatte. Reiser entdeckte ihm sein Vorhaben. - Der Pastor
Marquard stellte ihm die Schwierigkeiten vor, sprach ihm aber doch auch zugleich
wieder Mut ein und machte den Anfang zur tätigen Ermunterung damit, dass er
versprach, ihn durch seinen einzigen Sohn, der die erste Klasse des Lyzeums in
Hannover besuchte, in der lateinischen Sprache unterrichten zu lassen, womit
auch noch in derselben Woche der Anfang gemacht wurde.
    Bei dem allen glaubte Reiser in den Mienen und dem Betragen des Pastor
Marquard zu lesen, dass er noch irgend etwas Wichtiges zurückbehielte, welches er
ihm zu seiner Zeit sagen würde; in dieser Vermutung wurde er noch mehr durch die
geheimnisvollen Ausdrücke des Garnisonküsters bestärkt, dessen Lehrstunden er
noch besuchte, und der ihm immer einen Stuhl setzte, wenn er kam, indes die
andern auf Bänken saßen. - Dieser pflegte denn wohl, wenn die Stunde aus war, zu
ihm zu sagen: Sein Sie ja recht auf Ihrer Hut und denken Sie, dass man genau auf
Sie achtgibt. - Es sind große Dinge mit Ihnen im Werke! und dergleichen mehr,
wodurch nun Reiser freilich anfing, sich eine wichtigere Person als bisher zu
glauben, und seine kleine Eitelkeit mehr wie zu viel Nahrung erhielt, die sich
denn oft töricht genug in seinem Gange und in seinen Mienen äußerte, indem er
manchmal in seinen Gedanken mit allem Ernst und der Würde eines Lehrers des
Volks auf der Straße einhertrat, wie er dies schon in Braunschweig getan hatte,
besonders wenn er schwarze Weste und Beinkleider trug. Bei seinem Gange hatte er
sich den Gang eines jungen Geistlichen, der damals Lazarettprediger in Hannover
und zugleich Konrektor am Lyzeum war, zum Muster genommen, weil dieser in der
Art sein Kinn zu tragen etwas hatte
