 er auch jetzt diesen Mangel sehr leicht ersetzen
können. Allein es war ihm unmöglich, diesen Mangel zu gestehen, der ihm am
drückendsten war und im Grunde seine meiste Traurigkeit verursachte, die er aber
immer selbst auf etwas anders schob, worüber er zu trauren gegen sich selbst
affektierte, weil ihm der Mangel an Wäsche ein zu kleiner und unpoetischer
Gegenstand schien.
    Der Fechtmeister wies ihm nun ein bleibendes Quartier bei einem Studenten,
namens R ..., an, bei dem er auch auf der Stube wohnen musste, und der sogleich
eine Wochenschrift mit ihm gemeinschaftlich herausgeben wollte, weil er sich von
Reisers Dichter-und Schriftstellertalent schon große Vorstellungen gemacht
hatte. Reiser dachte auch bald einen Plan zu einer Wochenschrift aus, welche
sich mit einer Satire auf diese Art Schriften anheben und die letzte
Wochenschrift heißen sollte; als aber sein neuer Stubengenosse merkte, dass er
kein Geld bei sich führe und auch keine sehr bestimmte Aussicht habe, welches zu
erhalten, fing er an ziemlich kalt gegen ihn zu werden und riet ihm, fürs erste
seinen Degen zu versetzen, welches Reiser tat und nun auf einmal wieder
freundlichere Blicke erhielt. Denn der Herr R ..., der ein sehr ordentlicher
Mann war, wollte bei ihrer beiderseitigen literarischen Unternehmung nicht gerne
Auslagen machen.
    Sie gingen nun beide hin zu einem Buchdrucker in Erfurt, namens
Gradelmüller, und brachten den Plan ihrer neuen Wochenschrift zum Vorschein:
dieser stellte ihnen aber sehr nachdrücklich vor, wie misslich ein solches
Unternehmen und wie viel sicherer es sei, seine Aufsätze in ein Blatt zu geben,
welches schon einmal bekannt und vom Publikum beliebt wäre, wie z.E. die
Wochenschrift der Bürger und der Bauer, welche er selbst herausgab, und die von
Betteljungen in den Bierhäusern von Erfurt herumgetragen wurde.
    Das war also eben der Bürger und Bauer, den Reiser auf seiner ersten
Wanderung bei dem Jäger nicht weit von Mühlhausen vorgefunden hatte und zu
dessen Mitarbeiter er nun nebst seinem Stubengenossen von dem Verleger und
Herausgeber erwählt wurde. Beide mussten nun den Abend bei dem Buchdrucker
speisen, und es wurden Rettig und eine Art sehr harter länglichter kleiner Käse,
die in Erfurt gewöhnlich sind, aufgetragen, wovon die beiden Mitarbeiter
unaufhörlich aßen, während dass die Frau des Buchdruckers manchmal darzu sehr
sauer sah.
    Der erste Aufsatz, den nun der Student R ... in die Wochenschrift der Bürger
und der Bauer lieferte, war eine prosaische Nachahmung von dem Beatus ille des
Horaz. Und der erste Aufsatz von Reiser war sein steifes Gedicht üben die Welt,
das er schon in Hannover auf der Schule gemacht hatte.
    Da nun aber für diese Aufsätze weiter kein Honorar erfolgte, und der Plan
des Studenten R ..., durch eine Wochenschrift
