, sich aus allen
seinen bisherigen Verhältnissen, wo selbst das Beste ihm doch immer nur halb
geglückt war, hinauszuversetzen und sein Glück in der weiten Welt zu suchen,
fing allmählich an, bei ihm der herrschende zu werden - es war aber nur noch ein
bloßes Spiel seiner Phantasie; er war noch nicht eigentlich entschlossen, die
Sache selbst ins Werk zu richten. -
    Während dieser Zeit besuchte ihn nun sein Vater in Hannover, den er jetzt
zum ersten Male in seiner Stube, die mit sehr guten Möbeln versehen und schön
austapeziert war, bewirten konnte. - Seinem Vater suchte er nun seine Lage von
der angenehmsten und vorteilhaftesten Seite zu schildern und stellte ihm das
Aufführen der Komödie als eine Sache vor, wodurch er nun sowohl wegen des
gedruckten Prologs als auch, weil er den Prinz selbst dazu eingeladen hätte,
wieder neue Aufmerksamkeit auf sich errege und sich ebenso wie durch die Rede an
der Königin Geburtstage im auffallenden Lichte wieder zeigen könnte. -
    Reisers Vater äußerte bei dieser Gelegenheit einen sehr wichtigen und wahren
Gedanken, dass solche Vorfälle, wo einer sich öffentlich zu seinem Vorteil zu
zeigen Gelegenheit hat, wie z.B. bei der Rede an der Königin Geburtstage,
gleichsam wie ein Sieg zu betrachten wären, den man verfolgen müsse, weil
dergleichen im Leben sich nur selten ereigne. -
    Reiser begleitete seinen Vater bei dessen Rückreise eine Stunde vor das Tor
hinaus, und da sie nun an eben den Fleck kamen, wo ihm derselbe einst seinen
Fluch gegeben hatte, so standen sie zufälligerweise still - es fiel Reisern
nachher erst ein, dass dies derselbe Fleck war - sie hatten sich bis dahin über
die wichtigsten und erhabensten Gegenstände, worin die Mystik und die Metaphysik
zusammentreffen, unterredet, und nun schloss Reisers Vater einen Bund mit seinem
Sohne, dass sie von nun an gemeinschaftlich jenem großen Ziele der Vereinigung
mit dem höchsten denkenden Wesen näher zu kommen streben wollten; worauf er ihm
denn auf eben dem Fleck durch Auflegung der Hand seinen Segen erteilte, wo er
ihm ehemals seinen Fluch gab. -
    Reiser kehrte also nun in einer sehr guten Stimmung wieder zu Hause - und
blieb darin, bis nun wieder eine neue Rollenbesetzung von den Stücken, die außer
dem Deserteur aus Kindesliebe noch aufgeführt werden sollten, seine Phantasie
erregte und seine durch vernünftiges Nachdenken eingewiegten romanhaften Ideen
wieder erweckte. -
    Die Stücke, die noch aufgeführt wurden, waren Klavigo, der Mann nach der Uhr
und der Edelknabe. - Er hatte im Deserteur aus Kindesliebe mit einer
unbedeutenden Nebenrolle vorlieb genommen und rechnete nun darauf, wenigstens
die Rolle des Klavigo zu erhalten - so wie nun alle Wünsche seines Herzens sich
auf das Theater hefteten, so waren sie insbesondre auf diese Rolle gleichsam
gespannt - und man teilte sie
