 dem ewigen Monolog des Predigers. - Wenn er die Szenen eines
Dramas, das er entweder gelesen oder sich selbst in Gedanken entworfen hatte,
durchging, so war er das alles nacheinander wirklich, was er vorstellte, er war
bald großmütig, bald dankbar, bald gekränkt und duldend, bald heftig und jedem
Angriff mutig entgegenkämpfend.
    dabei war ihm nun die Aussicht auf Prima äußerst glänzend - denn die
Primaner des Lyzeums in Hannover hatten wirklich so viele äußere in die Augen
fallende Vorzüge, wie in wenigen Schulen stattfinden mögen. - Sie hielten alle
Neujahr bei einer großen Menge Zuschauer einen öffentlichen Aufzug mit Musik und
Fackeln, indem sie dem Direktor und dem Rektor ein Vivat brachten. - Am Abend
darauf überreichten sie das eine Jahr dem Direktor und das andere dem Rektor ein
freiwillig zusammengebrachtes Geschenk, das gemeiniglich über hundert Taler
betrug, und wobei derjenige, der es überreichte, eine kurze lateinische Rede
hielt - alsdann wurden sie mit Wein und Kuchen bewirtet und durften sich die
Freiheit herausnehmen, ihrem Lehrer in seiner Behausung ein lauterschallendes
Vivat zu rufen.
    Fast ein Vierteljahr vorher wurde immer schon von der Anordnung dieses Zuges
gesprochen.
    Alle Sommer in den Hundstagen wurde von den Primanern öffentlich Komödie
gespielt, wo ihnen die Wahl der Stücke und die Anordnung ebenfalls allein
überlassen war. - Dies beschäftigte sie fast den ganzen Sommer über. - Dann fiel
im Jenner das Geburtsfest der Königin und im Mai das Geburtsfest des Königs ein,
wo allemal mit großer Feierlichkeit ein Redeaktus veranstaltet wurde, bei dem
der Prinz, die Minister und fast alle Honoratioren der Stadt erschienen. Die
Vorbereitung hiezu nahm nun jedesmal sehr viel Zeit weg. - Dazu kamen jährlich
noch zwei öffentliche Prüfungen, die auch allemal mit Ferien begleitet waren. -
Hiedurch ging freilich viel Zeit verloren. - Indes waren dies alles doch so
viele glänzende Ziele für einen ehrgeizigen Jüngling, welche ihm den Reiz der
Schuljahre immer wieder auffrischten, sobald er verlöschen wollte.
    Etwa einmal einer der Anführer bei dem Zuge mit Fackeln zu sein oder die
lateinische Rede bei Überreichung des Geschenks zu halten oder eine Hauptrolle
in einem der aufgeführten Stücke zu bekommen oder gar eine Rede an des Königs
oder der Königin Geburtstage zu halten, das waren die Wünsche und Aussichten
eines Primaners des Lyzeums in Hannover. - Hiezu kam nun noch der elegante
Hörsaal der ersten Klasse, mit dem zierlich gebauten doppelten Katheder von
schöngebohnten Nussbaumholz und vor den Fenstern die grünen Vorhänge, welches
alles sich vereinigte, um Reisers Phantasie aufs neue mit reizenden Bildern von
seinem künftigen Zustande anzufüllen und seine Erwartung von dem, was nun mit
ihm vorgehen würde, bis auf den höchsten Grad zu spannen. Sogleich nach seinem
ersten Schuljahre ein Primaner zu werden, das war ein Glück, welches er sich
kaum
