 es nämlich gut Wetter blieb. Er fand ein gar großes Vergnügen an den
Arien und Motetten, die er singen hörte, und an den freundschaftlichen
Unterredungen mit seinen Mitschülern, während dass sie von einem Hause und einer
Straße zur andern gingen.
    Ein solches Chor hat viel Ähnliches mit einer herumwandernden Truppe
Schauspieler, in der man auch Freude und Leid, gutes und schlechtes Wetter usw.
auf gewisse Weise miteinander teilt, welches immer ein festeres
Aneinanderschliessen zu bewirken pflegt.
    Am meisten hatte sich Reiser auf den blauen Mantel gefreut, der ins künftige
seine Zierde sein würde. - Denn dieser Mantel näherte sich doch schon etwas der
priesterlichen Kleidung. - Aber auch diese Hoffnung täuschte ihn sehr; denn die
Frau Filter ließ, um für ihn zu sparen, aus ein paar alten blauen Schürzen einen
Mantel für ihn zusammennähen, womit er unter den übrigen Chorschülern eben keine
glänzende Figur machte.
    Nun bemerkte Reiser gleich am ersten Tage unter den Chorschülern einen, der
sich von den übrigen ganz besonders auszeichnete. - Man sah es ihm gleich an,
dass er ein Ausländer war, wenn man es auch nicht an seiner Sprache gehört hätte.
Denn alle seine Mienen und Bewegungen zeigten mehr Lebhaftigkeit und Gewandtheit
als das Äußere der steifen und schwerfälligen Hannoveraner. - Reiser konnte sich
immer nicht satt an ihm sehen; und da er ihn nun reden hörte, so konnte er sich
nicht enthalten, seine wohlgesetzten Ausdrücke in dem obersächsischen Dialekt zu
bewundern; alles, was die Hannoveraner sagten, kam ihm dagegen plump und
abgeschmackt vor. - Nun war der Präfektus im Chore ein alter versoffener Kerl,
mit dem sich dieser Ausländer immer am meisten herumzankte und ihm gemeiniglich
sehr treffende und beissende Antworten zu geben pflegte, wenn der Präfektus sich
eine Art von Oberherrschaft über ihn anmassen wollte. Und als dieser unter andern
einmal zu ihm sagte, er sei schon zu lange Präfektus, als dass er sich von so
einem Gelbschnabel dürfe Anzüglichkeiten sagen lassen, so antwortete der
Ausländer, es bringe ihm freilich eben nicht viel Ehre, dass er so ein alter
Knabe und noch immer Präfektus sei. - Diese Überlegenheit des Witzes, womit der
Ausländer den Präfektus auf einmal niederschlug, machte Reisern noch
aufmerksamer auf ihn, und da er sich nach dem Namen desselben erkundigte, erfuhr
er, dass er Reiser hieße und aus Erfurt gebürtig sei.
    Nun war es Reisern sehr auffallend, dass dieser junge Mensch, den er schon so
liebgewonnen hatte, gerade mit ihm einerlei Namen führte, ungeachtet er wegen
der Entfernung des Geburtsortes schwerlich mit ihm verwandt sein konnte. - Er
hätte gern gleich mit ihm Bekanntschaft gemacht, aber er wagte es noch nicht,
weil sein Namensgenosse ein Primaner und er nur ein Sekundaner war. - Auch
fürchtete er
