 dem
guten Namen meiner Tochter nachteilig sein; ich tröstete sie also mit
Liebkosungen, bis sie sich erholte. Aber mir in die Augen zu sehen, wagte sie
nicht. Nun kam nach und nach die übrige Gesellschaft herbei. Mariane überhäufte
mich mit Vorwürfen, wobei sie mich ganz vertraulich Du nannte. »Bist Du toll,
Alter? Deine Tochter so auf den Tod zu erschrecken! Glaube mir, Deine Galanterie
schmeckt nach der Amtsstube! Armes, armes Julchen! Und der Louis ist vor Schreck
wohl gar davon geflogen?« - So ging's in einem Atem fort, indes Julchens
vermeinte Ohnmacht wohl funfzig Riechfläschchen in Bewegung gebracht hatte. Sie
stand wie im Platzregen; die jungen Herren wollten durchaus das Verdienst ihrer
Herstellung haben. Ich stellte mich dabei ganz munter und lustig, machte so
tiefe Bücklinge und Kratzfüsse, entschuldigte mein unverhofftes Eindringen wider
meine eigene Erwartung so manierlich und kaltblütig, dass die Gesellschaft,
nachdem einige junge Herren, die vielleicht die Unternehmer des Pickenik's sein
mochten, die Köpfe zusammengesteckt hatten, endlich ganz herablassend beschloss,
(wahrscheinlich meiner schönen Tochter zu Liebe) mich an dem Feste Teil nehmen
zu lassen. Ich nahm das Anerbieten an, sowohl aus Schonung für meine Tochter,
als auch, um einen Begriff von dem Tone der Gesellschaft zu bekommen, der mich
dann schnell zu der Überzeugung führte, dass der ein Narr ist, der diesen
sogenannten Lustbarkeiten eine der ächten Freuden des Lebens, oder auch nur
seine häusliche Bequemlichkeit aufopfert. Es wurde auch kein gescheutes Wort,
kein einziger, auch nur einigermaßen witziger Einfall vorgebracht; gar nichts,
das des Belachens wert gewesen wäre. Wer einen sogenannten Scherz, der nur
Persiflage war, vorbrachte, musste seinen Einfall auch zuerst belachen; dann erst
stimmten wohl einige aus Höflichkeit, wenn der Witzling eine betitelte Person
war, mit ein. Bei den Zweideutigkeiten, deren gar viele mit unter liefen, waren
es allemal die Damen, die durch helles Gelächter ihrem Scharfsinne, auf Kosten
ihrer Schamhaftigkeit, ein Kompliment machten. - Sie erinnern sich der Zeiten,
lieber Pastor, da die jungen Männer durch Schön- und Süsssein, durch
verunglücktes Kopiren des Werter, und anderer, minder treflichen Romane dieser
Periode, bei vernünftigen Frauenzimmern Ekel erregten. Seit der Zeit ist das
Kind mit dem Bade ausgeschüttet, die Ritterromane und Schauspiele haben Ton und
Manier so derb, so zufahrend und zurückschrekkend gemacht, dass ich die Mädchen
bedauern würde, wenn auch sie sich nicht der zarten Weiblichkeit entschlagen
hätten, und etwas affektirten, das Deutschheit sein soll; wie denn leider! so
viel Missgriffe in dieser Hinsicht gemacht werden, und Rohheit oft für
Deutschheit gelten muss. Dass dieser dem Zeitalter gar nicht harmonische Ton noch
gehört
