 Veranlassung; denn Herr von Reiteim erinnerte sich bald der Gelehrsamkeit, besonders der Philosophie.
Es ist unstreitig, dass den Leuten, die nichts zu tun haben, nichts mehr zur Last wird, als die Zeit, und ebenso gewiss, dass die glücklichen Erdensöhne, die nur zu ihrem eigenen Vergnügen leben, gemeiniglich das Unglück haben, dass ihnen das Vergnügen bald zu fehlen anfängt. Daher müssen sie auf Abwechslung denken; fehlt die ihnen, so sind sie ganz verloren. Sie haben getrunken und können bald nicht mehr trinken, weil der Magen nicht mehr annehmen will. Sie haben geliebelt und müssen es lassen, weil ihr Körper bald abgezehrt und ihre Verdauungskraft geschwächt wird und Gicht, Kopfweh und Magenkrampf ihre Vergnügungen krönen. Sie wollen nichts tun, sondern nur genießen, und der Genuss fehlt mitten im Genuße; es wird ihnen bald alles ungeschmackt, Gasterei, Komödien, gefällige Schätzchen, vermummte Tänze, Jagdgelage und die Märchen und witzigen Einfälle der Schmarotzer. Daher ist es nicht unrecht, den Söhnen vornehmer und reicher Leute (die Söhne der Fürsten nicht ausgenommen), die künftig in der Welt nichts vor sich sehen, als ihre Zeit hinzubringen und nach Vergnügen zu haschen, um ihrer selbst willen anzuraten, in ihrer Jugend nicht so faul zu sein, sondern sich anzustrengen, um irgendetwas zu lernen oder ihren Geist mit etwas zu beschäftigen. Es gibt in allen Wissenschaften, selbst in denen, die am trockensten scheinen, sogar in der Mathematik, Vergnügungen für den, welcher sie nur zu schmecken weiß. Und da vornehme Leute ihren Gaumen abrichten, dass er endlich allen haut-gout und die feine Unterscheidung aller Jahrgänge alter Rheinweine auskosten kann, sollte es ihnen denn so ganz unmöglich sein, ihre Seele, auf die sie gemeiniglich so gar keine Sorgfalt wenden, so abzurichten, dass diese auch, was klug oder unklug, witzig oder unwitzig ist, unterscheiden könnte?
Dem Freiherrn von Reiteim tat es sehr wohl, dass er auf Universitäten mancherlei Wissenschaften und besonders die spekulative Philosophie studiert hatte. Die Vergnügungen der Jagd, des Wohllebens, der Mädchen, der Schauspiele, der Kourtage bei Hofe und sogar der Charaden, ermüdete ihn endlich. War er nun mit Vergnügungen übersättigt: so nahm er Glaubersalz; war er aber gerade davon gesättigt: so hing er auf dem Sofa seinen philosophischen Spekulationen nach, die sogar zuweilen dem Glaubersalze nachhalfen. Jetzt befand er sich sehr wohl. Seine Grillen waren vergangen. Den alten Franzosen war er los. Er hatte bei Tische gedahlt und nach Tische geschlafen. Er lag nun bene pransus satur supinus auf seinem Sofa, und so glaubte er, ein Stündchen Philosophie würde ihm wohl tun; denn er hatte schon mehrmal bemerkt, dass ein kurzer Gebrauch
