 weiter zu rechnen, eine Kutsche und vier engländische Pferde und tat noch eine niedliche leichte Birutsche hinzu, damit sein Liebchen die schöne Witterung recht gemächlich genießen könnte.
So sehr sich die schöne Angelika auch ihres Wunsches entäussert hatte, so große Freude machte ihr doch die ganz unvermutete Erfüllung desselben. Die Folge davon waren einige sehr glückliche Tage zwischen beiden Eheleuten, die umso glücklicher wurden, da sich zugleich zeigte, dass Angelika ein Pfand der Liebe unter ihrem Herzen trug, worüber der gute Anselm vor Freuden fast außer sich geriet.
Indes alle Tage waren freilich nicht gleich heiter. Wir haben schon manchmal bemerkt, dass Anselm einen großen Vorrat von Philosophie, folglich von Weisheit besaß. Die wollte er bei seiner Angelika anwenden, ihr seine Wünsche offenbaren und ihr manchen guten Rat erteilen. Aber die liebe Frau war nervenschwach. Die Weisheit eines Mannes war ihr ein zu starkes Hausmittel. Sie bekam davon Vapeurs und Zittern in den Gliedern; und der gute Anselm musste also diese geistigen Arzeneien nur nach und nach dispensieren und endlich bald damit ganz innehalten, umsomehr, da darauf gewöhnlich bittere Klagen erfolgten, dass er sie nicht mehr liebe. Diese irrige Vermutung gründete sie bei solchen Gelegenheiten darauf, dass er so viel Zeit in seiner Schreibstube mit seinen Manufakturgeschäften zubringe. Anselm, welcher vermeinte, dass er gerade aus Liebe zu ihr und ihren künftigen Kindern sich mit dem undankbaren Geschäfte, reich zu werden, abgäbe, konnte gar nicht begreifen, wie sie ihn so sehr verkennen möchte und wie es zugehe, dass er sie von der rechten Beschaffenheit seiner Liebe nicht zu überzeugen vermochte, ob er ihr gleich oft weitläufig vordemonstrierte, dass sein Fleiß in Handlungsgeschäften nur aus heißer Liebe zu ihr entspringen könne.
Man musste indes der Frau Angelika die Gerechtigkeit widerfahren lassen, dass sie ihrem Anselm nie einen Mangel von Liebe vorwarf, als nur, wenn er etwas, was er wollte, gegen ihren Willen durchsetzen oder etwas, was sie verlangte, z. B. ein neues Kleid, ein Stück Juwelen oder andern kostbaren Putz, nicht gleich gewährte. Fiel dergleichen vor, welches nicht selten geschah, so machte sie ihm freilich Vorwürfe, dass er ihr nicht genug Gesellschaft leiste. Sonst aber war sie billig genug, ihn an seinen Geschäften nicht zu hindern; und teils deswegen, teils um Wagen und Pferde, da sie einmal da waren, doch zu gebrauchen, fuhr sie fast täglich während der Kurzeit nach Aachen, wo sie an allen dortigen Lustbarkeiten, Assembleen, Bällen usw. teilnahm, nicht um der Lustbarkeiten willen, sondern um ihre Verwandten zu besuchen und ihren schwachen Körper zu stärken. Dahin wollte sie nun Anselm oft begleiten: und dies ließ sie auch zu, doch erinnerte sie ihn oft
